Notizen.
Fakt ist ja, nicht jeder Tag eignet sich für eine große Geschichte. Manche bestehen einfach nur aus zu kaltem Kaffee, Regen gegen Fensterscheiben und Menschen, die im Supermarkt mit beeindruckender Ernsthaftigkeit an Tomaten drücken. Und trotzdem sind es oft genau diese Tage, die später wieder auftauchen. Viele Texte hier entstehen genau daraus. Aus Beobachtungen unterwegs. Aus Gesprächen in Cafés. Aus Bahnfahrten neben Menschen, die laut telefonierend ihr gesamtes Beziehungsdrama mit Waggon 4 teilen möchten. Aus Wanderungen, Hotelzimmern und diesen merkwürdig stillen Momenten dazwischen, in denen einem plötzlich auffällt, wie seltsam und gleichzeitig komisch Menschen eigentlich sind. Wahrscheinlich man selbst eingeschlossen.
Manche Geschichten sind nah an der Wirklichkeit. Andere entstehen nur aus einem Gedanken oder einer Szene, die kurz hängen geblieben ist. Am Ende geht es vielleicht einfach darum, Geschichten aufzuschreiben, bevor sie verschwinden. Oder wenigstens darum, den alltäglichen Wahnsinn in etwas zu verwandeln, das sich später besser liest, als es sich in dem Moment angefühlt hat.
Servus, Nebelhorn.
Reisetagebuch Teil IV
Es ist Sonntagmorgen. Kurz nach sechs. Die Straßen von Oberstdorf wirken ruhig. Ich frühstücke ordentlich. Zwei Brote. Ein Stück Hefezopf. Kaffee natürlich. Sehr viel Kaffee sogar. Wandern ohne Kaffee ist im Grunde nur zielloses Gehen mit schlechter Laune. Gegen halb acht schnüre ich die Wanderschuhe ungewöhnlich motiviert fest. Draußen leert die Stadtreinigung gerade die Mülltonnen […]
Linie 44
Reisetagebuch Teil III
Schon früh am Morgen klingt der Marktplatz, als würde irgendwo jemand irgendetwas ausschließlich aus Metall aufbauen. Stangen schlagen gegeneinander. Anhänger rumpeln über das Pflaster. Dazwischen Stimmen. Viele Stimmen. Menschen tragen Kisten durch die Gegend, bauen Pavillons auf, ziehen Planen glatt und stellen Waren so ordentlich hin, als hinge der Ruf ihrer gesamten Familie davon ab, […]
Verlaufen in Bayern.
Reisetagebuch Teil II
In unmittelbarer Nähe der Ferienwohnung steht eine Kirche. So eine Kirche, die wahrscheinlich zu jeder Tageszeit ein bisschen nach Ruhe aussieht. Heller Putz. Ein Turm, der über die Dächer ragt. Ein goldener Hahn. Richtig schön. Morgens läuten die Glocken. Nicht aggressiv. Eher so, als wolle jemand freundlich daran erinnern, dass der Tag inzwischen wirklich begonnen […]
Wagen 4.
Reisetagebuch Teil I
Bremen. Hauptbahnhof. 6:43 Uhr. Der ICE 515 nach München steht bereits am Gleis. Noch bewegt sich kaum etwas. Der Zug wartet. Die Menschen nicht. Auf den Bahnsteigen herrscht bereits Betrieb. Geschäftsleute mit Rollkoffern, die aussehen, als würden sie gleich ein Land übernehmen. Männer natürlich. Menschen in Malerhosen mit Thermobechern in der Hand. Frauen mit großen […]
Ein Leben.
Dieses Wochenende habe ich keine Termine. Keine Verabredungen. Es wird niemanden geben, der etwas von mir will. Ab Freitagmittag bin ich praktisch nicht mehr existent. Ich tauche ab. Die Welt darf weiterlaufen. Nur eben ohne mich. Die einzige Person, die mich lebend sehen wird, ist der Pizzabote. Darauf freue ich mich mehr, als es vernünftig […]