Notizen.
Nicht jede Geschichte beginnt mit einer Explosion, einer Verfolgungsjagd oder einem geheimnisvollen Brief. Die meisten beginnen mit kaltem Kaffee. Oder mit Regen gegen eine Fensterscheibe. Mit einer verspäteten Bahn. Mit einem Nachbarn am Gartentor. Mit einem Hotelzimmer irgendwo zwischen hier und da. Mit einem Mann, so laut telefoniert, dass plötzlich eine Fußgängerzone über seine Scheidung, seinen Bandscheibenvorfall und die aktuelle Situation mit Petra Bescheid weiß. Die Texte hier entstehen genau an solchen Orten. Unterwegs. In Cafés. Auf Bahnsteigen. In Wartezimmern. Auf Dorfstraßen. Überall dort, wo Menschen versuchen, ihren Alltag einigermaßen vernünftig zu organisieren und regelmäßig daran scheitern.
Manche Geschichten sind wirklich passiert. Andere nicht ganz. Wieder andere beginnen mit einer kleinen Beobachtung und entwickeln anschließend ein bemerkenswertes Eigenleben. So ähnlich wie Schwiegermütter. Aber am Ende geht es hier nicht um große Abenteuer. Sondern um die vielen kleinen Geschichten, die direkt vor unserer Nase stattfinden. Um Menschen. Um Zufälle. Um Missverständnisse. Um die seltsame Tatsache, dass wir Smartphones bauen, die mit Satelliten kommunizieren können, aber trotzdem an Selbstbedienungskassen scheitern wie Höhlenmenschen an einer Schiebetür. Und genau deshalb schreibe ich sie auf. Bevor sie verschwinden.
Wenn Sommer geht.
Ein Weg zu den Steinen.
Der Sommer zieht vorbei. Die alten Fachwerkfassaden lehnen sich dicht aneinander, schwarz und weiß wie ein Gedicht, das niemand je zu Ende geschrieben hat. Auf den Pflastersteinen liegt das erste welke Laub. Man bemerkt es kaum, und doch erzählen die Blätter, dass diese Jahreszeit vergeht. Im Wind liegt der Geruch von feuchtem Holz, von einer […]
Heideflüstern.
Regen, Gespräche und ein schüchternes Lila.
Zwischen Undeloh und Wilsede liegt ein Land, das sich nicht erklären muss. Dort, in der Nordheide, genau da wo Niedersachsen wirklich leise wird, breitet sich eine Landschaft aus, die mehr mit Stille spricht als mit Worten. Weite Flächen, durchzogen von alten Sandwegen, auf denen die Zeit langsamer zu laufen scheint. Wacholderbüsche, die wie alte Figuren […]
Weihnachtsmarkt
in Arnsberg
Als wir den Weg hinaufgingen, hatte sich die Finsternis längst über den Wald gelegt. Ein tiefes Schwarz, das von den hohen Tannen verschluckt wurde. Nur das matte Glimmen der Lichterketten, verborgen hier und da in den Zweigen, ließ erahnen, dass an diesem Ort etwas geschah. Der Weihnachtsmarkt war keiner im üblichen Sinne. Es war ein […]