Texte.
Es gibt Abende, an denen der Regen leise gegen die Fenster tropft und man das Gefühl hat, dass die Welt draußen den Atem anhält. In einer Pfütze spiegelt sich das Licht einer Laterne, schwach, flackernd, als hielte sie es nicht mehr lange aus. Auf der Bank an der Bushaltestelle sitzt ein alter Mann, die Hände tief in den Taschen, als bewahrte er etwas auf, das niemand mehr sehen soll. Neben der Kirche lehnt ein Fahrrad, der Reifen platt, die Kette verrostet. Keiner scheint es zu vermissen. Auf dem Spielplatz liegt ein Ball vor dem Zaun, vom Wind angestoßen, immer wieder, als wolle er doch noch geholt werden. Es gibt Geschichten, die nur am Rand der Welt entstehen. Nicht in den Bars der Städte, sondern in kleinen Ecken und schmalen Straßen. Und wenn die Nacht dem Tag das Leben nimmt und Rauch aus den Schornsteinen steigt, wenn irgendwo ein Hund bellt und wieder verstummt, dann legt sich eine Ruhe über alles, die schwerer ist als jedes Wort.
Aus solchen Momenten entstehen meine Texte. Einige sind Erinnerungen an das, was wirklich geschah, andere reine Erfindung, geboren aus einem Gedanken oder einem Bild. Und doch tragen alle denselben Kern, das Bedürfnis, festzuhalten, was sonst unbemerkt verloren gehen würde.
Der Weg ohne Ziel.
Mondlicht. Es ist hell genug, um Konturen zu erkennen, aber zu schwach, um Details zu sehen. Die Straßenlaternen sind längst aus oder wirken, als hätten sie aufgegeben. Ihr Licht erreicht den Boden nicht mehr. Die Pflastersteine sind kalt. Alt. Sie tragen Spuren von Schritten, an die sich niemand mehr erinnert. Ich gehe langsam. Nicht, weil […]
Als wäre nichts gewesen.
Ich sitze im Zug. Das Licht fällt schräg durch das Fenster. Es ist klar. Fast hart. Der Himmel ist blau. Ein gleichgültiges Blau. Die Heizung läuft zu stark. Diese Wärme gehört nicht zu dem, was draußen ist. Sie ist gemacht. Für einen Moment kann man sich täuschen. Man könnte glauben, der Tag sei mild. Aber […]
Man fällt aus der Zeit.
Es beginnt klein. Ein Geräusch. Eine Entscheidung. Ein Karton. Eine Tasche. Ein Raum, der leerer wird. Ein Schrank, in dem nichts mehr liegt. Noch ein Geräusch. Ein Hund, der irgendwo liegt und nicht versteht, was passiert. Die Tasse auf dem Tisch. Schwarzer Kaffee. Längst kalt geworden. Einfach vergessen. Man berührt Dinge. Hebt sie auf. Dreht […]
Der Atemzug dazwischen.
Mittag. Das Fenster steht offen. Nicht weit. Nur ein paar Zentimeter. Genug, dass frische Luft hereinkommt und sich langsam im Raum verteilt. Der Vorhang bewegt sich kaum. Ein leichtes Zittern im Stoff, als würde er überlegen, ob er sich bewegen soll oder nicht. Es gibt einen Moment zwischen dem, was passiert, und dem, was wir […]
Nur weit genug.
Der Kaffee ist schwarz. Er steht auf dem Tisch und wird langsam kalt. Rauch hängt im Licht. Dünn. Fast durchsichtig. Ich habe das Fenster geöffnet. Einen Spalt. Draußen bewegt sich die Welt weiter. Autos fahren vorbei. Irgendwo. Irgendwo lacht jemand. Aber hier drin ist es still. Die Tasse steht genau dort, wo sie stehen soll. […]