NACHMITTAGE.
Früher habe ich ziemlich viel verpasst. Nicht, weil ich nicht da war. Ich war da. Ich habe nur irgendwann aufgehört, richtig hinzusehen. Habe funktioniert, genickt, Termine eingehalten und viel zu oft gedacht: Machste später. Scheiß auf später.
Heute drehe ich die Musik wieder auf. Gitarren dürfen scheppern. Entscheidungen dürfen unvernünftig sein. Ich stehe nach jedem Sturz wieder auf, verzeihe schneller, küsse langsam und halte mich lieber an Menschen als an Fünfjahrespläne. Ich will wieder merken, wenn das Leben passiert. Wenn jemand wichtig wird. Wenn ein Song trifft. Wenn ein Nachmittag plötzlich größer wird als der ganze beschissene Rest der Woche.
Genau daraus entstehen Nachmittage. Meine Kolumne über Menschen, Musik, Liebe, Abschiede, kaputte Pläne, gute Umwege und alles, was ein bisschen zu laut, zu nah oder zu echt ist, um einfach vorbeizugehen. Der Rest kann warten. Musik an. Hinschauen. Aufschreiben.
Fjällräven.
Plötzlich will man Elche kennen.
Samstag. Bestes Wetter und ich irgendwo zwischen Frühstück und Mittagessen. Die Stadt ist voll. Wirklich voll. Menschen sitzen vor Cafés, trinken Aperol, obwohl es noch nicht mal richtig Nachmittag ist. Daydrinking heißt das mittlerweile. Andere laufen mit Einkaufstaschen herum, als gäbe es am Montag plötzlich keine Geschäfte mehr. Okay, ist ja auch so. Montag ist […]
Lass sie.
Weniger Kontrolle. Mehr Ruhe.
Unser Gehirn ist ja eigentlich ein erstaunlich vernünftiges Organ. Solange alles ruhig läuft natürlich. Dann sitzt vorne im Gehirn der präfrontale Kortex am Steuer, schaut sich die Dinge an, analysiert Situationen und tut so, als wären wir emotional halbwegs erwachsene Menschen. Wir denken nach, entscheiden logisch und bleiben komplett gelassen. Im Idealfall zumindest. Kacke wird […]
Irgendwo am Wasser.
Wo der Lärm langsam endet.
Die letzten Wochen fühlten sich an, als hätte mir jemand mehrere vollkommen unterschiedliche Leben ineinander geschoben. Ich war nachts in Städten. An Bahnhöfen voller Menschen, die irgendwohin wollten oder längst nirgendwo mehr ankamen. Polizeieinsätze zwischen blinkendem Blaulicht und genervten Lautsprecherdurchsagen. Menschen mit abgetragenen Jacken und Decken, die nicht mehr aussahen, als hätten sie in letzter […]
Fluchtmodus.
Mit gepackten Taschen.
Ich glaube, normale Menschen packen ihre Taschen nach einer Reise irgendwann wieder aus. So richtig. Mit Schrank. Mit festen Plätzen für Sachen. Die Zahnbürste ins Bad. Das Ladekabel in irgendeine Schublade. Den Hoodie zurück an den Haken. Bei mir ist es momentan anders. Da bleibt vieles einfach liegen. Halb im Rucksack. Halb daneben. Als würde […]
Umwege.
Nachts im Hotel.
Einer der schlimmsten Sätze der deutschen Sprache. Direkt hinter „Der Drucker funktioniert nicht mehr“ und „Wir müssen die Unterlagen fürs Finanzamt noch zusammensuchen.“ Vielleicht sogar davor. Der Satz hat etwas Endgültiges. Niemand hört „Wir müssen reden“ und denkt anschließend: Ach schön, vielleicht geht es um Urlaubsplanung oder einen neuen Wasserkocher. Ich stand währenddessen mit einer […]