NACHMITTAGE.
Früher habe ich ziemlich viel verpasst. Nicht, weil ich nicht da war. Ich war da. Ich habe nur irgendwann aufgehört, richtig hinzusehen. Habe funktioniert, genickt, Termine eingehalten und viel zu oft gedacht: Machste später. Scheiß auf später.
Heute drehe ich die Musik wieder auf. Gitarren dürfen scheppern. Entscheidungen dürfen unvernünftig sein. Ich stehe nach jedem Sturz wieder auf, verzeihe schneller, küsse langsam und halte mich lieber an Menschen als an Fünfjahrespläne. Ich will wieder merken, wenn das Leben passiert. Wenn jemand wichtig wird. Wenn ein Song trifft. Wenn ein Nachmittag plötzlich größer wird als der ganze beschissene Rest der Woche.
Genau daraus entstehen Nachmittage. Meine Kolumne über Menschen, Musik, Liebe, Abschiede, kaputte Pläne, gute Umwege und alles, was ein bisschen zu laut, zu nah oder zu echt ist, um einfach vorbeizugehen. Der Rest kann warten. Musik an. Hinschauen. Aufschreiben.
Fingerabdrücke.
Reisetagebuch VI
Dienstag. 6:30 Uhr. Oberstdorf. Marktplatz 5. Draußen beginnt der Ort langsam wach zu werden. Irgendwo fährt bereits ein Lieferwagen über das Pflaster. Kisten klappern. Wahrscheinlich Brötchenlieferung oder Getränkekisten. In Orten wie diesem klingt selbst der Morgen irgendwie nach Handwerk. Die Berge selbst, stehen noch halb im Schatten und wirken so ruhig, als hätten sie mit […]
Allein im Allgäu.
Reisetagebuch V
Über Oberstdorf liegt an diesem Morgen eine Art gedämpfte Ruhe. Alles wirkt leiser. Der Regen hängt zwischen den Häusern wie ein grauer Vorhang und irgendwo oberhalb der Dächer verschwinden die Berge halb in den Wolken. Auf den Straßen laufen trotzdem Menschen. Allerdings mit Schirmen und Regenjacken. Funktionskleidung scheint hier ohnehin weniger Mode zu sein als […]
Servus, Nebelhorn.
Reisetagebuch Teil IV
Es ist Sonntagmorgen. Kurz nach sechs. Die Straßen von Oberstdorf wirken ruhig. Ich frühstücke ordentlich. Zwei Brote. Ein Stück Hefezopf. Kaffee natürlich. Sehr viel Kaffee sogar. Wandern ohne Kaffee ist im Grunde nur zielloses Gehen mit schlechter Laune. Gegen halb acht schnüre ich die Wanderschuhe ungewöhnlich motiviert fest. Draußen leert die Stadtreinigung gerade die Mülltonnen […]
Linie 44
Reisetagebuch Teil III
Schon früh am Morgen klingt der Marktplatz, als würde irgendwo jemand irgendetwas ausschließlich aus Metall aufbauen. Stangen schlagen gegeneinander. Anhänger rumpeln über das Pflaster. Dazwischen Stimmen. Viele Stimmen. Menschen tragen Kisten durch die Gegend, bauen Pavillons auf, ziehen Planen glatt und stellen Waren so ordentlich hin, als hinge der Ruf ihrer gesamten Familie davon ab, […]
Verlaufen in Bayern.
Reisetagebuch Teil II
In unmittelbarer Nähe der Ferienwohnung steht eine Kirche. So eine Kirche, die wahrscheinlich zu jeder Tageszeit ein bisschen nach Ruhe aussieht. Heller Putz. Ein Turm, der über die Dächer ragt. Ein goldener Hahn. Richtig schön. Morgens läuten die Glocken. Nicht aggressiv. Eher so, als wolle jemand freundlich daran erinnern, dass der Tag inzwischen wirklich begonnen […]