Notizen.
Nicht jede Geschichte beginnt mit einer Explosion, einer Verfolgungsjagd oder einem geheimnisvollen Brief. Die meisten beginnen mit kaltem Kaffee. Oder mit Regen gegen eine Fensterscheibe. Mit einer verspäteten Bahn. Mit einem Nachbarn am Gartentor. Mit einem Hotelzimmer irgendwo zwischen hier und da. Mit einem Mann, so laut telefoniert, dass plötzlich eine Fußgängerzone über seine Scheidung, seinen Bandscheibenvorfall und die aktuelle Situation mit Petra Bescheid weiß. Die Texte hier entstehen genau an solchen Orten. Unterwegs. In Cafés. Auf Bahnsteigen. In Wartezimmern. Auf Dorfstraßen. Überall dort, wo Menschen versuchen, ihren Alltag einigermaßen vernünftig zu organisieren und regelmäßig daran scheitern.
Manche Geschichten sind wirklich passiert. Andere nicht ganz. Wieder andere beginnen mit einer kleinen Beobachtung und entwickeln anschließend ein bemerkenswertes Eigenleben. So ähnlich wie Schwiegermütter. Aber am Ende geht es hier nicht um große Abenteuer. Sondern um die vielen kleinen Geschichten, die direkt vor unserer Nase stattfinden. Um Menschen. Um Zufälle. Um Missverständnisse. Um die seltsame Tatsache, dass wir Smartphones bauen, die mit Satelliten kommunizieren können, aber trotzdem an Selbstbedienungskassen scheitern wie Höhlenmenschen an einer Schiebetür. Und genau deshalb schreibe ich sie auf. Bevor sie verschwinden.
Weiter, aber anders.
Von stillen Entscheidungen und der Freiheit danach.
Manchmal wirken die Tage, als hätten sie sich verlaufen. Als wären sie nur ein leiser Zwischenraum. Die Stiefel trocknen vom morgendlichen Spaziergang, der Kaffee kühlt aus, und der Boden unter den Füßen trägt die Müdigkeit wie eine alte Geschichte. Draußen läuft die Zeit weiter. Unbeirrt. Fast gleichgültig. Drinnen sitzt jemand im Halbdunkel, hört dem eigenen […]
Der letzte Monat.
Ein Übergang ohne Bedeutung.
Ich dachte, der Dezember kommt ohne Geräusch. Ein stiller Schnitt im Kalender. Aber das stimmt nicht. Heute Morgen hat der Frost eine dünne Haut über die Dinge gelegt. Nicht genug, um Spuren festzuhalten. Aber genug, um sie hörbar zu machen. Der Weg und das Gras knackten leise unter den Stiefeln, als hätte die Nacht versucht, […]
Die Ordnung der Dinge.
Alles läuft, bis einer stehen bleibt und fragt, warum.
Ich war nie ein Freund der großen Städte. Zu viel Beton. Zu viele Stimmen, die nichts sagen. Zu viele Gesichter ohne Namen. Mir ist das zu eng, obwohl alles riesig ist. Vielleicht liegt es daran, dass ich am Rand eines Dorfs groß geworden bin. Unter alten Eichen. Hinter dem Hof lagen echte Hektar. Felder bis […]
Am Ende des Weges.
Was war, darf liegen bleiben.
Als ich losging, war alles dunkel. Die Sonne lag noch hinter dem Horizont. Die Bäume wirkten im fahlen Licht des Mondes wie Schatten. Mit jedem Schritt, den ich ging, wurde der Tag etwas heller. Der Morgen lag schwer über den Feldern. Nebel verfing sich in der Landschaft und zwischen den Ästen der Kiefern und Eichen. […]
Wenn das Licht ausgeht.
Dreht sich trotzdem alles weiter.
Draußen ist der Wind müde geworden. Ich bin es auch. Nur ab und zu zieht er noch einmal durch die Straßen, fegt ein paar Blätter über die Hofeinfahrten, rüttelt hier und da kurz an Regenrinnen, als wolle er sich vergewissern, dass die Welt noch da ist. Im Büro ist es warm. Zu warm vielleicht. Der […]