Notizen.
Nicht jede Geschichte beginnt mit einer Explosion, einer Verfolgungsjagd oder einem geheimnisvollen Brief. Die meisten beginnen mit kaltem Kaffee. Oder mit Regen gegen eine Fensterscheibe. Mit einer verspäteten Bahn. Mit einem Nachbarn am Gartentor. Mit einem Hotelzimmer irgendwo zwischen hier und da. Mit einem Mann, so laut telefoniert, dass plötzlich eine Fußgängerzone über seine Scheidung, seinen Bandscheibenvorfall und die aktuelle Situation mit Petra Bescheid weiß. Die Texte hier entstehen genau an solchen Orten. Unterwegs. In Cafés. Auf Bahnsteigen. In Wartezimmern. Auf Dorfstraßen. Überall dort, wo Menschen versuchen, ihren Alltag einigermaßen vernünftig zu organisieren und regelmäßig daran scheitern.
Manche Geschichten sind wirklich passiert. Andere nicht ganz. Wieder andere beginnen mit einer kleinen Beobachtung und entwickeln anschließend ein bemerkenswertes Eigenleben. So ähnlich wie Schwiegermütter. Aber am Ende geht es hier nicht um große Abenteuer. Sondern um die vielen kleinen Geschichten, die direkt vor unserer Nase stattfinden. Um Menschen. Um Zufälle. Um Missverständnisse. Um die seltsame Tatsache, dass wir Smartphones bauen, die mit Satelliten kommunizieren können, aber trotzdem an Selbstbedienungskassen scheitern wie Höhlenmenschen an einer Schiebetür. Und genau deshalb schreibe ich sie auf. Bevor sie verschwinden.
Ein Leben.
Dieses Wochenende habe ich keine Termine. Keine Verabredungen. Es wird niemanden geben, der etwas von mir will. Ab Freitagmittag bin ich praktisch nicht mehr existent. Ich tauche ab. Die Welt darf weiterlaufen. Nur eben ohne mich. Die einzige Person, die mich lebend sehen wird, ist der Pizzabote. Darauf freue ich mich mehr, als es vernünftig […]
Ein leiser Dezembertag.
Vom Gehen, vom Bleiben und von Dingen, die nichts wollen.
Der Samstag vor dem dritten Advent. Ein Tag im Dezember. Der Morgen war schon hell. Hell genug, um alles zu zeigen, aber weich genug, um nichts zu verraten. Vom Hügel aus konnte ich zur Stadt blicken. Verträumt lag sie da. Der Kirchturm wie ein dünner Strich in einem Himmel, der keine Meinung hatte. Die Luft […]
Die stille Jahreszeit.
Von Momenten, die bleiben, wenn alles leiser wird.
Ein Tag im Dezember. Der Morgen lag schwer über den Hügeln, als hätte die Nacht vergessen, sich ganz zurückzuziehen. Dünner Nebel hing zwischen den Tannen, grau wie der Atem eines alten Tieres. Der Regen war kaum mehr als ein Flüstern, ein leiser Rhythmus auf den kahlen Ästen, die sich unter der Last des Jahres beugten. […]
Der Moment dazwischen.
Ein Atemzug zwischen zwei Leben.
Die Straßen um Arnsberg wirkten, als hätte jemand die Welt leiser gestellt. Sieben Grad. Feiner Regen. Regen, der alles dunkel glänzen ließ. Die Felder. Die Dächer. Die langen Wege, die hinauf in die Wälder führten. Die Luft roch nach nassem Laub. Nach etwas, das vergeht, ohne Spuren zu hinterlassen. Über den Hängen lagen die Wolken […]
Vor dem Licht.
Ein Flimmern im frühen Dezember.
Auf dem alten Holztisch liegt noch ein Buch. Aufgeschlagen. Seine Seiten atmen die Müdigkeit eines langen Tages aus. Fast so, als hätten sie selbst aufgegeben, weiterzuerzählen. Das Licht einer Straßenlaterne fällt durch ein Fenster flach darüber. Ein schiefer Winkel aus Abendrest und Schweigen, fast wie das Leben selbst. Ein Satz darin bleibt einfach unberührt, als […]