NACHMITTAGE.
Früher habe ich ziemlich viel verpasst. Nicht, weil ich nicht da war. Ich war da. Ich habe nur irgendwann aufgehört, richtig hinzusehen. Habe funktioniert, genickt, Termine eingehalten und viel zu oft gedacht: Machste später. Scheiß auf später.
Heute drehe ich die Musik wieder auf. Gitarren dürfen scheppern. Entscheidungen dürfen unvernünftig sein. Ich stehe nach jedem Sturz wieder auf, verzeihe schneller, küsse langsam und halte mich lieber an Menschen als an Fünfjahrespläne. Ich will wieder merken, wenn das Leben passiert. Wenn jemand wichtig wird. Wenn ein Song trifft. Wenn ein Nachmittag plötzlich größer wird als der ganze beschissene Rest der Woche.
Genau daraus entstehen Nachmittage. Meine Kolumne über Menschen, Musik, Liebe, Abschiede, kaputte Pläne, gute Umwege und alles, was ein bisschen zu laut, zu nah oder zu echt ist, um einfach vorbeizugehen. Der Rest kann warten. Musik an. Hinschauen. Aufschreiben.
Umwege.
Nachts im Hotel.
Einer der schlimmsten Sätze der deutschen Sprache. Direkt hinter „Der Drucker funktioniert nicht mehr“ und „Wir müssen die Unterlagen fürs Finanzamt noch zusammensuchen.“ Vielleicht sogar davor. Der Satz hat etwas Endgültiges. Niemand hört „Wir müssen reden“ und denkt anschließend: Ach schön, vielleicht geht es um Urlaubsplanung oder einen neuen Wasserkocher. Ich stand währenddessen mit einer […]
Großstadt.
Stress mit Straßenbahnanschluss.
Großstädte? Alter, die überfordern mich komplett. Allein schon beim bloßen Zuschauen. Nicht einmal wegen der Menschenmengen. Eher wegen dieser permanenten Gleichzeitigkeit von allem. Die Polizei brettert irgendwo durch die Innenstadt. Lieferdienste bringen irgendwelche Sachen in Windeseile. Und dann diese Menschen mit AirPods und einem Gesichtsausdruck, als würden sie gleichzeitig eine Firma leiten, einen Podcast aufnehmen […]
Neutral. Sicher.
Schwarz.
Das Leben ohne Auto ist ein anderes geworden. Langsamer vor allem. Früher stieg ich einfach ein, fuhr los und erledigte Dinge unterwegs. Einkaufen. Baumarkt. Hund einladen. Wald. Alles, ohne groß darüber nachzudenken. Das Auto stand vor der Tür wie ein sehr zuverlässiger, aber leicht überteuerter Freund, der immer Zeit hatte. Erst später begann ich auf […]
Vatertag.
Papa fährt nach Hause.
Christi Himmelfahrt. Vatertag. Oder einfach der einzige Feiertag, an dem Männer morgens um zehn bereits aussehen, als hätten sie die Nacht in einer Mischung aus Getränkemarkt, Tankstelle und mittelschwerer Lebenskrise verbracht. Ich glaube ja, so ganz genau weiß niemand, welches der beiden Feste mittlerweile eigentlich mehr gefeiert wird. Offiziell geht es um die Himmelfahrt Christi. […]
Elf Stunden.
Vielleicht beginnt genau jetzt etwas Gutes.
Zu Hause. Dort wartete diesmal allerdings nicht einfach nur Alltag. Eher dieses merkwürdige Gefühl, irgendwo zwischen Abschied und Neuanfang zu stehen. Viele Dinge, die vor ein paar Monaten noch selbstverständlich wirkten, tun das plötzlich nicht mehr. Keine eigene Wohnung. Die Erkenntnis, dass sich in den nächsten Monaten vermutlich vieles verändern wird. Ein anderer Ort vielleicht. […]