NACHMITTAGE.
Früher habe ich ziemlich viel verpasst. Nicht, weil ich nicht da war. Ich war da. Ich habe nur irgendwann aufgehört, richtig hinzusehen. Habe funktioniert, genickt, Termine eingehalten und viel zu oft gedacht: Machste später. Scheiß auf später.
Heute drehe ich die Musik wieder auf. Gitarren dürfen scheppern. Entscheidungen dürfen unvernünftig sein. Ich stehe nach jedem Sturz wieder auf, verzeihe schneller, küsse langsam und halte mich lieber an Menschen als an Fünfjahrespläne. Ich will wieder merken, wenn das Leben passiert. Wenn jemand wichtig wird. Wenn ein Song trifft. Wenn ein Nachmittag plötzlich größer wird als der ganze beschissene Rest der Woche.
Genau daraus entstehen Nachmittage. Meine Kolumne über Menschen, Musik, Liebe, Abschiede, kaputte Pläne, gute Umwege und alles, was ein bisschen zu laut, zu nah oder zu echt ist, um einfach vorbeizugehen. Der Rest kann warten. Musik an. Hinschauen. Aufschreiben.
Wagen 4.
Reisetagebuch Teil I
Bremen. Hauptbahnhof. 6:43 Uhr. Der ICE 515 nach München steht bereits am Gleis. Noch bewegt sich kaum etwas. Der Zug wartet. Die Menschen nicht. Auf den Bahnsteigen herrscht bereits Betrieb. Geschäftsleute mit Rollkoffern, die aussehen, als würden sie gleich ein Land übernehmen. Männer natürlich. Menschen in Malerhosen mit Thermobechern in der Hand. Frauen mit großen […]
Ein Leben.
Dieses Wochenende habe ich keine Termine. Keine Verabredungen. Es wird niemanden geben, der etwas von mir will. Ab Freitagmittag bin ich praktisch nicht mehr existent. Ich tauche ab. Die Welt darf weiterlaufen. Nur eben ohne mich. Die einzige Person, die mich lebend sehen wird, ist der Pizzabote. Darauf freue ich mich mehr, als es vernünftig […]
Ein leiser Dezembertag.
Vom Gehen, vom Bleiben und von Dingen, die nichts wollen.
Der Samstag vor dem dritten Advent. Ein Tag im Dezember. Der Morgen war schon hell. Hell genug, um alles zu zeigen, aber weich genug, um nichts zu verraten. Vom Hügel aus konnte ich zur Stadt blicken. Verträumt lag sie da. Der Kirchturm wie ein dünner Strich in einem Himmel, der keine Meinung hatte. Die Luft […]
Die stille Jahreszeit.
Von Momenten, die bleiben, wenn alles leiser wird.
Ein Tag im Dezember. Der Morgen lag schwer über den Hügeln, als hätte die Nacht vergessen, sich ganz zurückzuziehen. Dünner Nebel hing zwischen den Tannen, grau wie der Atem eines alten Tieres. Der Regen war kaum mehr als ein Flüstern, ein leiser Rhythmus auf den kahlen Ästen, die sich unter der Last des Jahres beugten. […]
Der Moment dazwischen.
Ein Atemzug zwischen zwei Leben.
Die Straßen um Arnsberg wirkten, als hätte jemand die Welt leiser gestellt. Sieben Grad. Feiner Regen. Regen, der alles dunkel glänzen ließ. Die Felder. Die Dächer. Die langen Wege, die hinauf in die Wälder führten. Die Luft roch nach nassem Laub. Nach etwas, das vergeht, ohne Spuren zu hinterlassen. Über den Hängen lagen die Wolken […]