Notizen.
Nicht jede Geschichte beginnt mit einer Explosion, einer Verfolgungsjagd oder einem geheimnisvollen Brief. Die meisten beginnen mit kaltem Kaffee. Oder mit Regen gegen eine Fensterscheibe. Mit einer verspäteten Bahn. Mit einem Nachbarn am Gartentor. Mit einem Hotelzimmer irgendwo zwischen hier und da. Mit einem Mann, so laut telefoniert, dass plötzlich eine Fußgängerzone über seine Scheidung, seinen Bandscheibenvorfall und die aktuelle Situation mit Petra Bescheid weiß. Die Texte hier entstehen genau an solchen Orten. Unterwegs. In Cafés. Auf Bahnsteigen. In Wartezimmern. Auf Dorfstraßen. Überall dort, wo Menschen versuchen, ihren Alltag einigermaßen vernünftig zu organisieren und regelmäßig daran scheitern.
Manche Geschichten sind wirklich passiert. Andere nicht ganz. Wieder andere beginnen mit einer kleinen Beobachtung und entwickeln anschließend ein bemerkenswertes Eigenleben. So ähnlich wie Schwiegermütter. Aber am Ende geht es hier nicht um große Abenteuer. Sondern um die vielen kleinen Geschichten, die direkt vor unserer Nase stattfinden. Um Menschen. Um Zufälle. Um Missverständnisse. Um die seltsame Tatsache, dass wir Smartphones bauen, die mit Satelliten kommunizieren können, aber trotzdem an Selbstbedienungskassen scheitern wie Höhlenmenschen an einer Schiebetür. Und genau deshalb schreibe ich sie auf. Bevor sie verschwinden.
Am Ende des Weges.
Was war, darf liegen bleiben.
Als ich losging, war alles dunkel. Die Sonne lag noch hinter dem Horizont. Die Bäume wirkten im fahlen Licht des Mondes wie Schatten. Mit jedem Schritt, den ich ging, wurde der Tag etwas heller. Der Morgen lag schwer über den Feldern. Nebel verfing sich in der Landschaft und zwischen den Ästen der Kiefern und Eichen. […]
Wenn das Licht ausgeht.
Dreht sich trotzdem alles weiter.
Draußen ist der Wind müde geworden. Ich bin es auch. Nur ab und zu zieht er noch einmal durch die Straßen, fegt ein paar Blätter über die Hofeinfahrten, rüttelt hier und da kurz an Regenrinnen, als wolle er sich vergewissern, dass die Welt noch da ist. Im Büro ist es warm. Zu warm vielleicht. Der […]
Der Schimmelreiter.
Und die Jahre atmen.
Der Sturm flüstert seine eigene Geschichte. Der Regen spielt die Melodie dazu. Es ist einer dieser Morgen, an denen die Welt scheint, als hätte sie sich in sich selbst zurückgezogen. Das Wasser fällt schräg. Gepeitscht vom Wind, der durch die engen Gassen fährt und das Laub aufwirbelt. Es scheint fast so, als wolle er endlich […]
Der nächste Schritt.
Manchmal reicht es, weiterzugehen.
Das Licht war grell, selbst hinter geschlossenen Lidern. Jedenfalls stelle ich es mir so vor. Wir schreiben das Jahr 1981. Ich war ein paar Stunden alt. Ein altes Krankenhaus, irgendwann um 1870 gebaut, zwischendurch wohl modernisiert. Dreißig Kilometer von meinen Eltern entfernt. Die Luft roch wahrscheinlich nach Metall und Desinfektion. Irgendwo summte ein Gerät, ungeduldig, […]
Kein Lärm mehr.
Freiheit klingt anders, wenn man sie endlich hört.
Der Herbst verschluckt die Tage. Schwere Wolken hängen über den Dächern der Vorstadtsiedlung. Dunkel, wie nasse Steine. Der Regen hält sich seit Stunden. Er peitscht gegen die Scheiben, zieht feine Linien auf Glas. Ungeachtet dessen fährt der Wind durch die Straßen. Er peitscht gegen die Fenster, zerreißt die feinen Linien, trägt Blätter von den Bäumen […]