NACHMITTAGE.
Früher habe ich ziemlich viel verpasst. Nicht, weil ich nicht da war. Ich war da. Ich habe nur irgendwann aufgehört, richtig hinzusehen. Habe funktioniert, genickt, Termine eingehalten und viel zu oft gedacht: Machste später. Scheiß auf später.
Heute drehe ich die Musik wieder auf. Gitarren dürfen scheppern. Entscheidungen dürfen unvernünftig sein. Ich stehe nach jedem Sturz wieder auf, verzeihe schneller, küsse langsam und halte mich lieber an Menschen als an Fünfjahrespläne. Ich will wieder merken, wenn das Leben passiert. Wenn jemand wichtig wird. Wenn ein Song trifft. Wenn ein Nachmittag plötzlich größer wird als der ganze beschissene Rest der Woche.
Genau daraus entstehen Nachmittage. Meine Kolumne über Menschen, Musik, Liebe, Abschiede, kaputte Pläne, gute Umwege und alles, was ein bisschen zu laut, zu nah oder zu echt ist, um einfach vorbeizugehen. Der Rest kann warten. Musik an. Hinschauen. Aufschreiben.
Zuhause. Mitten im Regen.
Am Freitag war in Langwedel Markt. So eine Art Kirmes. Oder Volksfest. Ich weiß nicht, wo da die genaue Grenze verläuft. Die Straßen waren gesperrt. Überall standen Buden. Es blinkte und leuchtete und an erstaunlich vielen Stellen konnte man Dinge kaufen, die entweder frittiert, gegrillt oder großzügig mit Zucker ausgestattet waren. Die Dunkelheit hatte sich […]
Und dann drücke ich auf Senden.
Ich habe keine Ahnung. Absolut nicht. Ich sehe mir an, was ich gerade vorhabe, und komme mir vor wie jemand, der vor einer Maschine steht, an der vierzehn Knöpfe blinken. Irgendwo hängt ein Kabel raus. Keine Ahnung, wofür das ist. Auf einem Schalter steht was, das vermutlich wichtig wäre, wenn ich wüsste, was es bedeutet. […]
Zwischen Delmenhorst und genug
Delmenhorst schläft noch. Jedenfalls sieht es aus dem Zug so aus. Ich sitze im IC Richtung Norddeich Mole. Bis Oldenburg. Der Zug steht an einer Einkaufspassage. EDEKA, ein Kino, ein Restaurant, ein Fitnesscenter. Die übliche Ansammlung von Möglichkeiten, Geld auszugeben, satt zu werden und den eigenen Körper anschließend dafür zur Verantwortung zu ziehen. Vor dem […]
Zwei Zigaretten bis zum Herbst
Der Morgen war noch nicht richtig wach. Er hatte angefangen, aber offenbar ohne groß Bock zu haben. Der Himmel war dunkel. Die Straßenlaternen brannten. Und die Häuser sahen aus, als würden sie für diese eine Stunde niemandem gehören. Als wären die Menschen darin nur vorübergehend verschwunden und kämen später zurück, sobald es sich draußen wieder […]
Vielleicht lag es an Oldenburg.
Samstagvormittag. Mitten in Oldenburg. Ich sitze im MA vor einem Strammen Max. Also dem Frühstück. Spiegelei, Salami statt Schinken, Brot. Nicht irgendeinem Typen namens Max, der den Vorabend noch nicht ganz verarbeitet hat. Dazu Kaffee. Groß. Schwarz. Gegenüber sitzt mein Lieblingsmensch vor einer bunten Stulle. Mit Avocado-Creme. Ich gucke zu ihr rüber. Sie guckt zurück. […]