NACHMITTAGE.
Früher habe ich ziemlich viel verpasst. Nicht, weil ich nicht da war. Ich war da. Ich habe nur irgendwann aufgehört, richtig hinzusehen. Habe funktioniert, genickt, Termine eingehalten und viel zu oft gedacht: Machste später. Scheiß auf später.
Heute drehe ich die Musik wieder auf. Gitarren dürfen scheppern. Entscheidungen dürfen unvernünftig sein. Ich stehe nach jedem Sturz wieder auf, verzeihe schneller, küsse langsam und halte mich lieber an Menschen als an Fünfjahrespläne. Ich will wieder merken, wenn das Leben passiert. Wenn jemand wichtig wird. Wenn ein Song trifft. Wenn ein Nachmittag plötzlich größer wird als der ganze beschissene Rest der Woche.
Genau daraus entstehen Nachmittage. Meine Kolumne über Menschen, Musik, Liebe, Abschiede, kaputte Pläne, gute Umwege und alles, was ein bisschen zu laut, zu nah oder zu echt ist, um einfach vorbeizugehen. Der Rest kann warten. Musik an. Hinschauen. Aufschreiben.
Scheiß auf Status.
Ich denke in letzter Zeit öfter darüber nach, dass Reichtum und Vermögen zwei völlig verschiedene Dinge sind. Klingt erstmal wie derselbe Kram. Ist es aber echt nicht. Vermögen ist ja das, was irgendwo auf einem Konto liegt. In Aktien steckt. In Häusern. Autos. Uhren. Dingen, die teuer sind und trotzdem nur herumstehen, sobald niemand hinguckt. […]
Bier. Vans. Glück.
Der 28. November steht im Kalender. Dick und fett. Hi! Spencer. Bremen. Ja. Noch Monate hin. Weiß ich. Eigentlich vollkommen bescheuert, sich jetzt schon darauf zu freuen. Vernünftige Menschen würden vermutlich sagen, man solle erst einmal abwarten. Bis November könne schließlich noch einiges passieren. Wetter. Termine. Bahnstreiks. Weltuntergang. Die Deutsche Bahn braucht für eine Katastrophe […]
Nicht in Seatle
Ich hab etwas gelernt. Die besten Geschichten beginnen selten vernünftig. Sie beginnen nachmittags und enden nachts. Mit zu lauter Musik. Mit einer Nachricht, die man eigentlich nicht mehr erwartet hatte. Mit einem Blick, der eine Sekunde zu lange bleibt. Mit zwei Menschen, die beide so tun, als wäre das hier gerade alles völlig harmlos. Ist […]
Wo es begann.
Ich weiß nicht mehr genau, welcher Song zuerst lief. Vielleicht Madsen. Vielleicht Hi! Spencer. Vielleicht irgendwas mit Gitarren, das schon in den ersten zehn Sekunden klang, als würde gleich jemand eine Tür eintreten, hinter der ich jahrelang gesessen hatte. Ist im Grunde auch scheißegal. Wichtig ist nur: Die Musik war laut. Echt keine Hintergrundmusik. Nicht […]
Autonomie.
Ich saß letztens, an einem Freitag im Zug und wusste nicht genau, ob das, was ich gerade machte, vernünftig war. Das kommt inzwischen häufiger vor. Ich steige irgendwo ein, fahre los, buche ein Hotel oder beschließe am Abend, am nächsten Morgen knapp 300 Kilometer mit Regionalzügen zu fahren, um irgendwo eine Pizza zu essen. Nicht […]