Notizen.
Nicht jede Geschichte beginnt mit einer Explosion, einer Verfolgungsjagd oder einem geheimnisvollen Brief. Die meisten beginnen mit kaltem Kaffee. Oder mit Regen gegen eine Fensterscheibe. Mit einer verspäteten Bahn. Mit einem Nachbarn am Gartentor. Mit einem Hotelzimmer irgendwo zwischen hier und da. Mit einem Mann, so laut telefoniert, dass plötzlich eine Fußgängerzone über seine Scheidung, seinen Bandscheibenvorfall und die aktuelle Situation mit Petra Bescheid weiß. Die Texte hier entstehen genau an solchen Orten. Unterwegs. In Cafés. Auf Bahnsteigen. In Wartezimmern. Auf Dorfstraßen. Überall dort, wo Menschen versuchen, ihren Alltag einigermaßen vernünftig zu organisieren und regelmäßig daran scheitern.
Manche Geschichten sind wirklich passiert. Andere nicht ganz. Wieder andere beginnen mit einer kleinen Beobachtung und entwickeln anschließend ein bemerkenswertes Eigenleben. So ähnlich wie Schwiegermütter. Aber am Ende geht es hier nicht um große Abenteuer. Sondern um die vielen kleinen Geschichten, die direkt vor unserer Nase stattfinden. Um Menschen. Um Zufälle. Um Missverständnisse. Um die seltsame Tatsache, dass wir Smartphones bauen, die mit Satelliten kommunizieren können, aber trotzdem an Selbstbedienungskassen scheitern wie Höhlenmenschen an einer Schiebetür. Und genau deshalb schreibe ich sie auf. Bevor sie verschwinden.
100 Dinge.
Ferdinand sagte das jetzt echt nicht feierlich. Das war das Gemeine daran. Er sagte es nicht an einem Kamin, nicht bei Regen am Fenster und auch nicht mit dieser Stimme, die Menschen manchmal benutzen, wenn sie glauben, gerade etwas gesagt zu haben, das später auf eine Postkarte gedruckt werden könnte. Nee. Ferdinand sagte es nebenbei. […]
Sechs Normale.
Kurz vor acht. Vor der Bäckerei standen ein paar ältere Herren, die sich dort nicht verabredet hatten, sondern einfach vom Leben dort abgestellt worden sind. Jeder mit seiner eigenen Haltung zum Sonntag. Einer mit verschränkten Armen. Einer mit den Händen auf dem Rücken. Man kennt das. Und einer mit einem Blick, der bereits mehr über […]
Ohne Theater.
Über Haftbefehl, Kollegah, Farid Bang, Shindy, Bushido und wie sie alle heißen, kann man ja sagen, was man will. Und die meisten Menschen tun das ja auch. Sehr gern sogar. Man kann über die Texte streiten. Über Inhalte sowieso. Über Auftreten, Sprache, Gesten, Videos, Sonnenbrillen in geschlossenen Räumen und über diese bemerkenswerte Fähigkeit, jeden Raum […]
Heiligabend wartet.
Und ich plane schon...
Es ist Sonntag, der 14. Juni. Draußen wirkt der Tag schon so, als hätte er noch einiges vor. Aber ich weiß nicht genau, was. Ich sitze seit kurz nach vier Uhr am MacBook. Im Haus ist es still. Nur der Kaffee steht neben mir und sieht aus, als hätte er nicht damit gerechnet, schon gebraucht […]
Das mit den Freunden.
Eine Theorie in Boxershorts.
Es ist 4:30 Uhr. Ein Donnerstag. Kein besonderer Tag. Nichts ist passiert. Und ich habe gerade darüber nachgedacht, wie oft Menschen von ihren Freunden sprechen. Meine Freunde hier. Meine Freunde da. Auf Instagram sehe ich Fotos von Menschen, die sich mit Menschen treffen. Kaffee, Feiern, spazieren, Urlaub. Und ich sitze in Boxershorts auf der Bettkante […]