NACHMITTAGE.
Früher habe ich ziemlich viel verpasst. Nicht, weil ich nicht da war. Ich war da. Ich habe nur irgendwann aufgehört, richtig hinzusehen. Habe funktioniert, genickt, Termine eingehalten und viel zu oft gedacht: Machste später. Scheiß auf später.
Heute drehe ich die Musik wieder auf. Gitarren dürfen scheppern. Entscheidungen dürfen unvernünftig sein. Ich stehe nach jedem Sturz wieder auf, verzeihe schneller, küsse langsam und halte mich lieber an Menschen als an Fünfjahrespläne. Ich will wieder merken, wenn das Leben passiert. Wenn jemand wichtig wird. Wenn ein Song trifft. Wenn ein Nachmittag plötzlich größer wird als der ganze beschissene Rest der Woche.
Genau daraus entstehen Nachmittage. Meine Kolumne über Menschen, Musik, Liebe, Abschiede, kaputte Pläne, gute Umwege und alles, was ein bisschen zu laut, zu nah oder zu echt ist, um einfach vorbeizugehen. Der Rest kann warten. Musik an. Hinschauen. Aufschreiben.
Milchglas
Es rasen die Zeiger der Uhr. Draußen fahren die Erntemaschinen über die Dorfstraßen. Mähdrescher, so groß, dass man sich bei Gegenverkehr kurz überlegen muss, ob der Straßengraben nicht vielleicht doch ganz gemütlich aussieht. Dahinter Traktoren mit Anhängern. Voll mit Korn. Für Brot. Für Kuchen. Für Nudeln. Für Tierfutter. Für Dinge, über die man sich beim […]
Es liegt nicht an dir.
Vorgestern stand ich allein in einem Laden für Outdoorbekleidung in Oldenburg. Und allein ist in solchen Läden ein gefährlicher Zustand. Zumindest für Menschen wie mich. Weil niemand neben einem steht und sagt: „Torsten, leg das Messer wieder hin. Du brauchst kein Messer, mit dem man vermutlich einen Elch erlegen könnte. Du willst nur in den […]
0 von 100.
Bis 2014 habe ich das Marketing für eine Bank gemacht. Das klingt erst einmal vernünftig. Nach Schreibtisch. Nach Besprechungsraum. Nach einem edlen Kugelschreiber mit Logo. Nach einem Leben, bei dem Menschen morgens wissen, wo sie parken und abends wissen, warum sie müde sind. Also nach etwas, das mir rückblickend fast verdächtig geordnet vorkommt. Danach habe […]
Nicht irgendwann.
Jetzt.
Es ist kurz nach acht. Ich sitze in einer kleinen Bäckerei. Nicht in so einer Bäckerei, die aussieht, als hätte ein Innenarchitekt vorher drei Wochen überlegt, wie Brot möglichst skandinavisch wirken kann. Sondern in einer normalen Bäckerei. Mit kleinen Tischen, hellen Lampen, einer Theke, hinter der Menschen arbeiten, die morgens vermutlich schon mehr Sätze gehört […]
100 Dinge.
Ferdinand sagte das jetzt echt nicht feierlich. Das war das Gemeine daran. Er sagte es nicht an einem Kamin, nicht bei Regen am Fenster und auch nicht mit dieser Stimme, die Menschen manchmal benutzen, wenn sie glauben, gerade etwas gesagt zu haben, das später auf eine Postkarte gedruckt werden könnte. Nee. Ferdinand sagte es nebenbei. […]