Notizen.
Nicht jede Geschichte beginnt mit einer Explosion, einer Verfolgungsjagd oder einem geheimnisvollen Brief. Die meisten beginnen mit kaltem Kaffee. Oder mit Regen gegen eine Fensterscheibe. Mit einer verspäteten Bahn. Mit einem Nachbarn am Gartentor. Mit einem Hotelzimmer irgendwo zwischen hier und da. Mit einem Mann, so laut telefoniert, dass plötzlich eine Fußgängerzone über seine Scheidung, seinen Bandscheibenvorfall und die aktuelle Situation mit Petra Bescheid weiß. Die Texte hier entstehen genau an solchen Orten. Unterwegs. In Cafés. Auf Bahnsteigen. In Wartezimmern. Auf Dorfstraßen. Überall dort, wo Menschen versuchen, ihren Alltag einigermaßen vernünftig zu organisieren und regelmäßig daran scheitern.
Manche Geschichten sind wirklich passiert. Andere nicht ganz. Wieder andere beginnen mit einer kleinen Beobachtung und entwickeln anschließend ein bemerkenswertes Eigenleben. So ähnlich wie Schwiegermütter. Aber am Ende geht es hier nicht um große Abenteuer. Sondern um die vielen kleinen Geschichten, die direkt vor unserer Nase stattfinden. Um Menschen. Um Zufälle. Um Missverständnisse. Um die seltsame Tatsache, dass wir Smartphones bauen, die mit Satelliten kommunizieren können, aber trotzdem an Selbstbedienungskassen scheitern wie Höhlenmenschen an einer Schiebetür. Und genau deshalb schreibe ich sie auf. Bevor sie verschwinden.
Zu viele Fragen.
Vielleicht ist das das Problem.
Es ist Montag. 5:54 Uhr. Vor der kleinen Bäckerei an der Hauptstraße stehen bereits vier Menschen. Handwerker in voller Montur. Zimmerleute. Ich finde das bemerkenswert. Um diese Uhrzeit sollten Menschen eigentlich noch träumen oder zumindest darüber nachdenken, sich noch einmal umzudrehen. Stattdessen stehen sie hier. Mit Jacken, Zimmermannshosen, Hammerketten. Mit Autoschlüsseln. Und mit Gesichtern, die […]
Jana wusste nichts.
Vor ein paar Tagen saß ich im Zug. Wie so oft. Dort saß ein Mann, der versuchte, seinen Laptop mit dem WLAN zu verbinden. Oder so was in der Art. Jedenfalls funktionierte es nicht. Irgendwann gab er auf, klappte das Gerät zu und schaute von da an einfach nur aus dem Fenster. Er wirkte wie […]
Alles im Griff.
Um 4:07 Uhr begegnet man auf einer Dorfstraße meist niemandem. Keine Autos. Keine Fahrräder. Keine Menschen mit wichtigen Terminen. Die einzige Bewegung kommt vielleicht von einer Amsel, die irgendwo in einem Busch trällert. Die Häuser schlafen noch. Hinter den Gardinen brennt nirgendwo Licht. Selbst die Hunde scheinen sich darauf geeinigt zu haben, um diese Zeit […]
Der Typ im Sprinter.
Zuhause auf Rädern.
Vor dem Supermarkt standen ein paar Menschen unter dem Vordach und warteten darauf, dass der Regen sich wieder beruhigte. Vor zehn Minuten hatte noch die Sonne geschienen. Jetzt prasselte das Wasser auf das Pflaster, als hätte jemand beschlossen, den Himmel einmal komplett durchzuspülen. Über den Dächern hing eine dunkle Wolke. Weiter hinten war der Himmel […]
Kasse 3.
Mitten im echten Leben.
Der Supermarkt ist voller als sonst. Schon am Eingang stehen viele Menschen mit Einkaufswagen. Für einen Moment frage ich mich, ob ich einen Feiertag übersehen habe. Irgendeinen geheimen Feiertag vielleicht, von dem nur Rentner und Menschen mit Familien-WhatsApp-Gruppen etwas wissen. Nein. Pfingsten ist vorbei. Der nächste Feiertag liegt noch weiter Ferne. Es gibt eigentlich keinen […]