Einträge von AltenoytherTorsten

Vor dem Licht.

Auf dem alten Holztisch liegt noch ein Buch. Aufgeschlagen. Seine Seiten atmen die Müdigkeit eines langen Tages aus. Fast so, als hätten sie selbst aufgegeben, weiterzuerzählen. Das Licht einer Straßenlaterne fällt durch ein Fenster flach darüber. Ein schiefer Winkel aus Abendrest und Schweigen, fast wie das Leben selbst. Ein Satz darin bleibt einfach unberührt, als […]

Weiter, aber anders.

Manchmal wirken die Tage, als hätten sie sich verlaufen. Als wären sie nur ein leiser Zwischenraum. Die Stiefel trocknen vom morgendlichen Spaziergang, der Kaffee kühlt aus, und der Boden unter den Füßen trägt die Müdigkeit wie eine alte Geschichte. Draußen läuft die Zeit weiter. Unbeirrt. Fast gleichgültig. Drinnen sitzt jemand im Halbdunkel, hört dem eigenen […]

Der letzte Monat.

Ich dachte, der Dezember kommt ohne Geräusch. Ein stiller Schnitt im Kalender. Aber das stimmt nicht. Heute Morgen hat der Frost eine dünne Haut über die Dinge gelegt. Nicht genug, um Spuren festzuhalten. Aber genug, um sie hörbar zu machen. Der Weg und das Gras knackten leise unter den Stiefeln, als hätte die Nacht versucht, […]

Waldspaziergang

Sonntag. Der Morgen war kalt. Dünner Frost auf dem Gras. Frost, der beim Gehen unter den Sohlen nachgab wie altes Papier. Ich hatte keine Ziel, keine Richtung, nur das Bedürfnis, rauszugehen. Also ließ ich mich treiben. Schritt für Schritt. Der Wald nahm mich auf, wie er es immer macht. Kommentarlos. Ohne Fragen. Ohne Erwartungen. Die […]

Die Ordnung der Dinge.

Ich war nie ein Freund der großen Städte. Zu viel Beton. Zu viele Stimmen, die nichts sagen. Zu viele Gesichter ohne Namen. Mir ist das zu eng, obwohl alles riesig ist. Vielleicht liegt es daran, dass ich am Rand eines Dorfs groß geworden bin. Unter alten Eichen. Hinter dem Hof lagen echte Hektar. Felder bis […]

Am Ende des Weges.

Als ich losging, war alles dunkel. Die Sonne lag noch hinter dem Horizont. Die Bäume wirkten im fahlen Licht des Mondes wie Schatten. Mit jedem Schritt, den ich ging, wurde der Tag etwas heller. Der Morgen lag schwer über den Feldern. Nebel verfing sich in der Landschaft und zwischen den Ästen der Kiefern und Eichen. […]

Wenn das Licht ausgeht.

Draußen ist der Wind müde geworden. Ich bin es auch. Nur ab und zu zieht er noch einmal durch die Straßen, fegt ein paar Blätter über die Hofeinfahrten, rüttelt hier und da kurz an Regenrinnen, als wolle er sich vergewissern, dass die Welt noch da ist. Im Büro ist es warm. Zu warm vielleicht. Der […]

Der Schimmelreiter.

Der Sturm flüstert seine eigene Geschichte. Der Regen spielt die Melodie dazu. Es ist einer dieser Morgen, an denen die Welt scheint, als hätte sie sich in sich selbst zurückgezogen. Das Wasser fällt schräg. Gepeitscht vom Wind, der durch die engen Gassen fährt und das Laub aufwirbelt. Es scheint fast so, als wolle er endlich […]

Der nächste Schritt.

Das Licht war grell, selbst hinter geschlossenen Lidern. Jedenfalls stelle ich es mir so vor. Wir schreiben das Jahr 1981. Ich war ein paar Stunden alt. Ein altes Krankenhaus, irgendwann um 1870 gebaut, zwischendurch wohl modernisiert. Dreißig Kilometer von meinen Eltern entfernt. Die Luft roch wahrscheinlich nach Metall und Desinfektion. Irgendwo summte ein Gerät, ungeduldig, […]

Kein Lärm mehr.

Der Herbst verschluckt die Tage. Schwere Wolken hängen über den Dächern der Vorstadtsiedlung. Dunkel, wie nasse Steine. Der Regen hält sich seit Stunden. Er peitscht gegen die Scheiben, zieht feine Linien auf Glas. Ungeachtet dessen fährt der Wind durch die Straßen. Er peitscht gegen die Fenster, zerreißt die feinen Linien, trägt Blätter von den Bäumen […]