NACHMITTAGE.
Früher habe ich ziemlich viel verpasst. Nicht, weil ich nicht da war. Ich war da. Ich habe nur irgendwann aufgehört, richtig hinzusehen. Habe funktioniert, genickt, Termine eingehalten und viel zu oft gedacht: Machste später. Scheiß auf später.
Heute drehe ich die Musik wieder auf. Gitarren dürfen scheppern. Entscheidungen dürfen unvernünftig sein. Ich stehe nach jedem Sturz wieder auf, verzeihe schneller, küsse langsam und halte mich lieber an Menschen als an Fünfjahrespläne. Ich will wieder merken, wenn das Leben passiert. Wenn jemand wichtig wird. Wenn ein Song trifft. Wenn ein Nachmittag plötzlich größer wird als der ganze beschissene Rest der Woche.
Genau daraus entstehen Nachmittage. Meine Kolumne über Menschen, Musik, Liebe, Abschiede, kaputte Pläne, gute Umwege und alles, was ein bisschen zu laut, zu nah oder zu echt ist, um einfach vorbeizugehen. Der Rest kann warten. Musik an. Hinschauen. Aufschreiben.
Vielleicht lag es an Oldenburg.
Samstagvormittag. Mitten in Oldenburg. Ich sitze im MA vor einem Strammen Max. Also dem Frühstück. Spiegelei, Salami statt Schinken, Brot. Nicht irgendeinem Typen namens Max, der den Vorabend noch nicht ganz verarbeitet hat. Dazu Kaffee. Groß. Schwarz. Gegenüber sitzt mein Lieblingsmensch vor einer bunten Stulle. Mit Avocado-Creme. Ich gucke zu ihr rüber. Sie guckt zurück. […]
Punkrockromantiker.
Ich glaub ja, ich bin ein Punkrockromantiker. Keine Ahnung, ob das ein echtes Wort ist. Vermutlich nicht. Umso besser. Echte Wörter haben sowieso viel zu oft Aktenordnercharakter. Punkrockromantiker klingt dagegen nach alten kaputten Chucks, viel zu lauten Gitarren und diesem einen Menschen, bei dem man plötzlich leiser wird. Nach zerknitterten Konzertkarten, Bahnsteigen um Mitternacht, schwarzem […]
Keinen Tag früher.
Irgendwo weit hinter dem Dorf strecken die Sonnenblumen ihre Köpfe Richtung Himmel. Sie flüstern leise, dass der Sommer bald vorbei sein wird. Noch liegt die Sonne warm über den Feldern. Noch riecht die Luft abends nach Staub, Gras und diesen langen Tagen, von denen man im Juni immer glaubt, sie würden niemals enden. Aber morgens […]
Narben vom Sommer
Mit etwas Glück bleibt da eine Narbe. Eine ziemlich große sogar. Direkt über meinem rechten Auge. Das Herz schlägt zwar links, aber vielleicht gehören Narben sowieso nicht dahin, wo das Herz sitzt. Vielleicht gehören sie ja dahin, wo man sie morgens im Spiegel sieht. Genau da, wo man hinguckt, bevor man sich Kaffee macht, die […]
Lautes Leben.
Komm, wir leihen uns nen Bulli und werfen alles hinten rein. Zwei Shirts. Zwei Hosen, alte Jacken. Auf viel mehr kommt es gar nicht an. Komm, wir scheißen ein paar Tage auf alles und fahren los. Keine Ahnung, wo wir schlafen. Wir haben einfach keinen Plan, nur die Straße vor den Reifen und dein Lachen […]