Texte.
Es gibt Abende, an denen der Regen leise gegen die Fenster tropft und man das Gefühl hat, dass die Welt draußen den Atem anhält. In einer Pfütze spiegelt sich das Licht einer Laterne, schwach, flackernd, als hielte sie es nicht mehr lange aus. Auf der Bank an der Bushaltestelle sitzt ein alter Mann, die Hände tief in den Taschen, als bewahrte er etwas auf, das niemand mehr sehen soll. Neben der Kirche lehnt ein Fahrrad, der Reifen platt, die Kette verrostet. Keiner scheint es zu vermissen. Auf dem Spielplatz liegt ein Ball vor dem Zaun, vom Wind angestoßen, immer wieder, als wolle er doch noch geholt werden. Es gibt Geschichten, die nur am Rand der Welt entstehen. Nicht in den Bars der Städte, sondern in kleinen Ecken und schmalen Straßen. Und wenn die Nacht dem Tag das Leben nimmt und Rauch aus den Schornsteinen steigt, wenn irgendwo ein Hund bellt und wieder verstummt, dann legt sich eine Ruhe über alles, die schwerer ist als jedes Wort.
Aus solchen Momenten entstehen meine Texte. Einige sind Erinnerungen an das, was wirklich geschah, andere reine Erfindung, geboren aus einem Gedanken oder einem Bild. Und doch tragen alle denselben Kern, das Bedürfnis, festzuhalten, was sonst unbemerkt verloren gehen würde.
Zurücklassen.
Am Straßenrand liegt ein letzter Fetzen Schnee. Grau. Zusammengedrückt. Schmutzig. Er erinnert sich nicht mehr an den Winter, aus dem er stammt. Der Tag ist noch nicht angekommen. Es ist dunkel. Kalt. Aber die Luft ist klar. Klar wie meine Gedanken in diesem Moment. Das kommt in letzter Zeit selten vor. Meist sind sie zerfasert. […]
Ein Leben.
Dieses Wochenende habe ich keine Termine. Keine Verabredungen. Es wird niemanden geben, der etwas von mir will. Ab Freitagmittag bin ich praktisch nicht mehr existent. Ich tauche ab. Die Welt darf weiterlaufen. Nur eben ohne mich. Die einzige Person, die mich lebend sehen wird, ist der Pizzabote. Darauf freue ich mich mehr, als es vernünftig […]
Der leise Monat.
Über das Sortieren dessen, was bleibt.
Es ist wieder Winter in der Stadt. Und Kaffee hilft nicht mehr. Die Tasse steht neben mir. Fast unangetastet. Meine Augen sind müde. Zu müde für diese Uhrzeit. Ich habe zu wenig geschlafen. Nicht ein bisschen. Viel zu wenig. Ich sitze am Fenster und schaue nach draußen. Unten zieht die Straße vorbei, als hätte sie […]
23. Dezember.
Vor dem, was kommt.
Es gibt Abende, an denen die Welt nicht einfach nur dunkel wird. Sie wird stiller. Dieser Abend gehört dazu. Kein Feiertag. Kein Versprechen. Nur ein dünnes Band aus Zeit, das sich zwischen die Tage legt wie ein Atemzug, den niemand laut ausspricht. Die Dörfer wirken, als hätte jemand die Stimmen herausgefiltert. Die Wege, die sonst […]
Ein leiser Dezembertag.
Vom Gehen, vom Bleiben und von Dingen, die nichts wollen.
Der Samstag vor dem dritten Advent. Ein Tag im Dezember. Der Morgen war schon hell. Hell genug, um alles zu zeigen, aber weich genug, um nichts zu verraten. Vom Hügel aus konnte ich zur Stadt blicken. Verträumt lag sie da. Der Kirchturm wie ein dünner Strich in einem Himmel, der keine Meinung hatte. Die Luft […]