Lautes Leben.
Komm, wir leihen uns nen Bulli und werfen alles hinten rein. Zwei Shirts. Zwei Hosen, alte Jacken. Auf viel mehr kommt es gar nicht an. Komm, wir scheißen ein paar Tage auf alles und fahren los. Keine Ahnung, wo wir schlafen. Wir haben einfach keinen Plan, nur die Straße vor den Reifen und dein Lachen im Gesicht. Komm wir hören die alten Lieder, die wir früher schon gut kannten. Wir drehen sie auf, singen schief und werden dann noch schiefer. Und verpassen wir die Ausfahrt, dann ist das eben so. Dann fahren wir einfach weiter, während meine Hand nach deiner sucht. Mit dir an meiner Seite fühlt sich selbst ein langer Umweg wie Glück.
Komm, wir brettern mal ans Meer und vergessen für eine Weile all das, was einmal war. Dieses viel zu laute Leben war viel zu lange laut. Du und ich und unsere alten Lieder. Salzige Luft, tosende Wellen. Wir setzen uns, malen Spuren in den Sand und schauen einfach nur nach Norden, bis der Himmel offensteht. Und ich sag dir nicht, was ich so fühle, weil man es mir sowieso ansieht. Was sagst du? Kommst du mit ans Meer? Nur du und ich?
Und wenn die Nacht auf unsere Schultern fällt und der volle Mond über den Wellen steht, wenn dieses ganze viel zu laute Leben endlich mal die Fresse hält, erzählst du mir vielleicht von Dingen, die du sonst für dich behältst. Von den Tagen, die du magst, und von denen, wo du fällst. Nein. Wir müssen uns nicht retten. Und doch will ich dich halten, wenn du Nähe suchst, und dich gehen lassen, wenn du gehen musst. Ich brauche dich nicht, um ganz zu sein, und du brauchst mich nicht dafür. Aber wenn du einfach neben mir stehst, wird aus Dunkelheit oft Licht und selbst die Kälte fühlt sich plötzlich wärmer an. Ey, komm, wir werfen unsere Sachen in den warmen Sand und rennen in die See. Wir lachen auf dem Weg und sobald das kalte Wasser unsere Haut berührt, fluchen wir ganz laut. Du hältst dich an meinen Schultern fest, obwohl du selbst stehen kannst. Und genau das mag ich so sehr an dir.
Du bleibst, obwohl du niemals musst.
Später liegen wir im Dunkeln. Die Haare nass, der Sand noch warm und das Bier steht neben uns. Dein Kopf liegt ruhig auf meiner Schulter, während meine Finger zwischen deinen liegen. Ich brauche keine Sterne, keine Wünsche und kein Vermögen. Ich brauche kein Zurück. Denn mein einer Wunsch, der sitzt längst neben mir und sieht mich an wie pures Glück.