Unterwegs im Allgäu.
Raus aus dem Ort. Irgendwann hört der Asphalt einfach auf. Die Straße wird schmaler, der Weg weicher und plötzlich läuft man zwischen Wiesen, Zäunen und diesen kleinen Holzhütten, die aussehen, als hätten sie seit fünfzig Jahren dieselbe Aufgabe und wären vollkommen zufrieden damit. Voll gut. Die Wanderung begann eigentlich ziemlich organisiert. Ehrlich. Ich hatte mir die Route zur Breitachklamm vorher angesehen. Sogar auf dem Smartphone aufgerufen. Ich war vorbereitet wie jemand, der fest davon überzeugt ist, die Kontrolle über seinen Tag zu besitzen. Anfangs lief das auch erstaunlich gut. Die Schilder passten. Die Richtung stimmte. Berge links, Wiesen rechts, irgendwo Kuhglocken und dieser Geruch nach Sonne auf Gras. Menschen kamen mir entgegen. Man grüßte sich. „Grüß Gott.“ „Servus“. „Hallo“ „Moin“. Ich lief einfach weiter. Ohne groß nachzudenken. Irgendwann merkte ich, dass sich die Schilder verändert hatten. Der Name Breitachklamm tauchte nicht mehr auf. Dafür plötzlich der Name Freibergsee. Erst dachte ich, das gehört vielleicht noch zusammen. Tat es natürlich nicht. Ich war irgendwo längst falsch abgebogen. Was auch daran lag, dass ich so gut wie nie auf mein Smartphone geschaut habe. Dabei wäre genau das vermutlich irgendwann sinnvoll gewesen. Stattdessen lief ich einfach weiter durch Wälder, an kleinen Hütten vorbei, über Wege, auf denen plötzlich kaum noch Menschen unterwegs waren. Und ehrlich gesagt wurde es genau dort erst richtig schön. Der Wind ging durch die Bäume. Irgendwo bellte ein Hund. Unten im Tal standen einzelne Häuser zwischen Wiesen, als hätten sie beschlossen, sich vom Rest der Welt in Ruhe zu lassen. Irgendwann setzte ich mich auf eine Bank und musste ein wenig über mich selbst lachen. (Und atmen, aber das erzähle ich natürlich nicht.) Stundenlang unterwegs und trotzdem komplett woanders angekommen als geplant. Aber vielleicht passiert genau das nicht nur beim Wandern. Dass man unbedingt irgendwo hinwill und später merkt, dass der falsche Weg einem manchmal die besseren Gedanken, die ruhigeren Orte und die schöneren Stunden schenkt. Die Breitachklamm habe ich an diesem Tag nicht gesehen. Und trotzdem war der Tag grandios.











