Am Nebelhorn.

Eigentlich wollte ich mit der Nebelhornbahn aufs Nebelhorn fahren. Wirklich. Der Plan klang vernünftig. Fast erwachsen. Bis ich vor der Talstation stand und feststellen musste, dass die Bahn erst wieder am 23. Mai öffnet. Also dachte ich, dass ich dann eben zu Fuß gehe. Kann ja nicht so schlimm sein. Der Weg führte durch Wälder, vorbei an Wasserfällen, über Wiesen und diese steilen Anstiege, bei denen man irgendwann beginnt, mit den eigenen Beinen zu diskutieren. Dabei heißt es ja immer, 15 Kilometer seien 15 Kilometer. Das stimmt einfach nicht. 15 Kilometer in den Alpen fühlen sich an. Fast so, als hätten die Berge beschlossen, den Charakter eines Menschen überprüfen zu wollen. Irgendwann merkte ich dann, dass ich zu wenig Wasser dabeihatte und das Wetter langsam seine Meinung änderte. Eben noch Sonne, dann plötzlich Wind und diese frische Bergluft, die einem freundlich signalisiert, dass man vielleicht doch nicht komplett vorbereitet ist. Den Gipfel des Nebelhorns habe ich deshalb nicht erreicht. Halb so schlimm. Dann eben nächstes Jahr. Fotos habe ich trotzdem genug gemacht. Von alten Hütten, Bergen, Wegen und diesem Licht, das hier überall aussieht, als wäre es extra langsamer geworden. Am Ende saß ich ziemlich müde auf einer Bank irgendwo am Wegesrand. Die Bank wirkte dabei ehrlich gesagt frischer als ich. Aber genau dafür macht man solche Tage wahrscheinlich.