Kurz notiert.
ZEHN TAGE. EIN BUCH. KEINE AHNUNG.
Das hier ist vermutlich entweder eine ziemlich gute Idee. Oder wirklich komplett bescheuert. Ich werde in den nächsten zehn Tagen versuchen, ein Buch zu schreiben. Nicht irgendwann. Jetzt.
Der Arbeitstitel steht auch schon:
NICHT IRGENDWANN
Vom ziemlich beschissenen Plan, das eigene Leben auf später zu verschieben.
Und bevor jemand nervös wird, Nein, das wird kein Ratgeber. Keine sieben Schritte zu einem besseren Leben. Keine Morgenroutine um 4:37 Uhr. Kein Dankbarkeitstagebuch. Und ganz bestimmt kein „Du musst nur fest genug an dich glauben“-Bums von einem Menschen, der anschließend ein Webinar für 799 Euro verkaufen möchte. Scheiße. Darauf habe ich selbst keine Lust. Ich möchte über etwas anderes schreiben. Über dieses verdammte Irgendwann. Über einen Zeitpunkt, an den wir erstaunlich viel verschieben, obwohl er in keinem Kalender steht. Irgendwann fahre ich da hin. Irgendwann ändere ich etwas. Irgendwann sage ich diesem Menschen, was er mir bedeutet. Irgendwann. Kann man machen. Ist nur ein ziemlich beschissener Plan.
Das Buch soll von Zielen erzählen. Von Angst. Von Aufbruch. Von Dingen, die funktionieren, und von welchen, die einem unterwegs gepflegt um die Ohren fliegen. Von 300 Kilometern für eine Pizza. Von Menschen, die plötzlich auftauchen. Von Plänen, die komplett anders enden als gedacht. Und von der Frage, wie viel Leben man eigentlich auf später verschieben kann, bevor man merkt, dass später gerade ziemlich zuverlässig zu heute geworden ist.
Mein Plan? Zehn Tage. Ein Rohmanuskript. Ob das funktioniert? Keine Ahnung. Aber genau deshalb schreibe ich das hier öffentlich hin. Damit ich mich morgen nicht gemütlich mit einem Kaffee irgendwo hinsetze, irgendeinen vollkommen wichtigen Quatsch erledige und mir anschließend erzähle: „Ach. Das Buch kannste ja auch irgendwann schreiben.“
Kann ich jetzt nicht mehr. Scheiße. Jetzt wisst ihr es. Tag 1 läuft.
JETZT ALSO OFFIZIELL: KOLUMNIST.
Das darf ich jetzt tatsächlich so hinschreiben:
Ich bin Kolumnist bei Kunst&Kante.
Und ich freu mich darüber ziemlich. Kunst&Kante ist ein unabhängiges Magazin für Menschen, die lieber ein bisschen tiefer graben, statt sich die nächste perfekt ausgeleuchtete Hochglanzwelt anzugucken. Es geht um Kunst, Subkultur, Identität, um Menschen, um Haltung und um Geschichten, über die man im besten Fall noch ein bisschen nachdenkt, nachdem man das Magazin längst wieder geschlossen hat. Also ziemlich genau um den Kram, über den ich sowieso ständig nachdenke und schreibe.
Ich werde dort künftig als Kolumnist Texte veröffentlichen. Über Kultur. Über Menschen. Über Beziehungen. Über Musik. Über Neuanfänge. Über diesen ganzen herrlich seltsamen Alltag und die Dinge am Rand, an denen man ziemlich leicht vorbeilaufen kann, wenn man immer nur auf das große Spektakel wartet. Keine Lebensberatung. Keine sieben Schritte zum besseren Ich. Keine Sätze, die später auf einer Tasse landen müssen. Einfach Geschichten, Beobachtungen und meine Sicht auf die Dinge.
Dass meine Texte jetzt neben all den anderen Geschichten bei Kunst&Kante ein Zuhause bekommen, ist schon ziemlich geil. Vor allem, weil es sich nicht danach anfühlt, als müsste ich mich dafür irgendwo passend machen. Ich darf dort schreiben, wie ich schreibe. Mit Haltung. Mit Gefühl. Mit Humor. Gelegentlich mit einem Kraftausdruck, wenn der Satz ihn verdient hat.
Moin. Torsten Luttmann. Kolumnist bei Kunst&Kante.
Kann man sich schon mal einen Moment auf der Zunge zergehen lassen. Hab ich jedenfalls gemacht.
Hab jetzt tatsächlich was zu melden.
Ab sofort landet hier der ganze Kleinkram, für den ein eigener Beitrag kompletter Quatsch wäre. Kleine Neuigkeiten, Änderungen, Zwischenstände. Ohne festen Plan, ohne Redaktionskalender und ohne Anspruch darauf, dass hier ständig irgendwas passieren muss. Wenn’s was gibt, steht’s hier. Wenn nicht, dann ist eben Ruhe.
NACHMITTAGE bekommt dafür erstmal einen Rhythmus: Die Kolumne erscheint ab jetzt jeden zweiten Tag. Erstmal. Kann sich wieder ändern. Wäre ja langweilig, wenn hier plötzlich alles nach Plan laufen würde.