Breitachklamm

Die Breitachklamm sieht auf Fotos ein bisschen aus, als hätte jemand versucht, einen Fantasyfilm mit sehr viel Wasser und sehr wenig Geländer zu drehen. In echt wirkt sie ganz anders. Beeindruckender. Mächtiger. Riesige Felswände. Dunkles Gestein. Überall rauscht, tropft und drückt Wasser durch Stellen, als hätte der Fluss persönlich beschlossen, sich nicht an irgendwelche Regeln zu halten. Dazwischen laufen Menschen in Wanderschuhen erstaunlich konzentriert über schmale Wege und schauen dabei entweder nach oben, nach unten oder permanent auf ihr Smartphone. Vermutlich aus Angst, genau den einen spektakulären Stein zu verpassen, den bereits achttausend andere Menschen fotografiert haben. Ich bin da nicht anders. Nur eher mit Kamera als mit dem Smartphone. Und je weiter man hineingeht, desto kleiner wird alles Menschliche. Egal. Das Wasser läuft einfach weiter. Seit Jahrhunderten vermutlich. Vermutlich noch länger. Und ehrlich gesagt ist genau das beruhigend. Später, draußen vor der Klamm, stehen wieder Wiesen da, als wäre überhaupt nichts passiert. Kühe grasen. Irgendwo fährt ein Fahrrad vorbei. Menschen essen Apfelkuchen oder Kaiserschmarn, als hätten sie gerade keinen halben Tag zwischen tonnenschweren Felsen verbracht. Und vielleicht ist genau das das Schönste daran. Dass dieser Ort gleichzeitig gewaltig und vollkommen normal wirkt. Fast so, als würde das Allgäu sagen: Ja gut. Riesige Schlucht. Aber jetzt erstmal Kaffee. Und Kuchen.