Oberstdorf.

Oberstdorf beginnt nicht mit den Bergen. Zumindest nicht für mich. Es beginnt mit Luft. Mit dieser klaren, kühlen Luft, die sofort anders wirkt als zu Hause. Die Menschen hier gehen langsamer. Vielleicht wegen der Steigungen. Vielleicht aber auch, weil es wenig Sinn macht, sich zwischen all den Bergen unnötig zu beeilen. Vor den Cafés sitzen Leute mit roten Gesichtern und dieser Mischung aus Erschöpfung und Stolz, die nur entsteht, wenn man freiwillig mehrere Stunden bergauf gelaufen ist. Manche haben Wanderstöcke. Familien schieben Kinderwagen über Pflasterstraßen. Radfahrer klingeln höflich. Und immer wieder läuten Kirchenglocken. Nicht aufdringlich. Eher wie ein Geräusch, das einfach dazugehört. In den kleinen Läden stehen Filzhüte, Postkarten, Käse, Dinge aus Holz und Jacken, die angeblich jedem Wetter standhalten. In Oberstdorf scheint das eine ernsthafte Charaktereigenschaft zu sein. Das Dorf wirkt gleichzeitig lebendig und ruhig. Menschen reden, lachen, trinken Kaffee, warten auf Essen oder schauen einfach nur in die Natur, als könnten sie dort oben für einen Moment vergessen, wie laut der Rest der Welt manchmal geworden ist. Und vielleicht funktioniert genau das hier so gut. Dass niemand versucht, aus diesem Ort mehr zu machen, als er ist. Oberstdorf muss nichts beweisen. Es reicht vollkommen, einfach da zu sein.