Zufriedenheit

Bist Du zufrieden mit dem Leben, dass Du lebst?

Von irgendwo aus der Ferne tönt der Klang der Erntemaschinen an mein Ohr. Große Traktoren mit noch größeren Anhängern werden von riesigen Häckslern befüllt. Die goldgelben Maisfelder, die ihre Farbe aufgrund der anhaltenden Trockenheit des Sommers tragen, verschwinden nach und nach. Die Sicht über die Felder wird wieder frei. Der Herbst beginnt zu leuchten und das Ende des Jahres ist greifbar. Ich, abseits der Erntearbeiten, laufe über einen alten Sandweg und erfreue mich meiner Zufriedenheit.

Auf einer riesigen Fläche, die einer Wiese gleich kommt und doch irgendwie ganz anders ist, laufen ein paar Schafe. Sie suchen sich die schönsten Leckereien aus. Am Ende der Wiese, weit in nördlicher Richtung, leuchten die weißen Stämme der Birken im Sonnenlicht. Der Farn, der hier überall zu finden ist, hat bereits seine grüne Farbe verloren. Am Himmel fliegen einige Wildgänse der Sonne entgegen. Ihr Ruf unterbricht das monotone Getöse der Erntemaschinen und sorgt für ein wenig Abwechslung. 

Die Felder hier sind zum größten Teil abgeerntet. Nur sehr, sehr selten kreuzen Fahrzeuge meinen Weg. Es können Stunden vergehen, bevor ich hier jemanden treffe. Die Schafe schauen zu mir herüber. Ob ich sie, mit meiner grünen Hose, den Gummistiefeln und dem großen, grauen Pullover an den Schäfer erinnere, kann ich nicht sagen. Vielleicht sind sie nur neugierig. Und so kommen sie, über diese Wiese, die irgendwie doch keine wirkliche Wiese ist, auf mich zu. Ich hingegen bin beeindruckt. Von den Tieren. Von den Farben. Von dieser herbstlichen Stimmung, die mich umgibt. Dieser Augenblick, diese Situation, das ist etwas, was mich wirklich begeistern kann.   

Nicht vermögend sondern reich.

Nach einer Weile, am alten Sandweg sitzend, klopfe ich mir den Staub von der Hose. Die Schafe, die mir für einen kleinen Augenblick Gesellschaft leisteten und sich ganz ruhig fotografieren ließen, sind wieder von Dannen gezogen. Sie sind wieder auf der Suche nach leckeren oder interessanten Dingen. Es ist immer wieder beruhigend zu sehen, wie genügsam sie sein können. Und vielleicht liegt darin ja der Schlüssel zur Zufriedenheit. Vielleicht denken wir zu oft daran, was uns fehlt und übersehen dabei all das, was wir bereits haben.

Würde ich die Definition der Gesellschaft, was Erfolg betrifft, auf mich übertragen, würde ich sagen, dass ich nicht zu den erfolgreichen Menschen dieser Gesellschaft gehöre. Vielleicht aber möchte ich ja nicht einmal zu dieser Gesellschaft gehören, die all das Leben, all die Wunder und Werte dieser Welt in Zahlen bemisst. Erfolg bedeutet für mich nicht, ständig alles zu erreichen, unaufhörlich beschäftigt zu sein und stets ein übervolles Bankkonto zu besitzen. Erfolg bedeutet für mich das tun zu können, was ich am besten kann und damit glücklich zu sein. 

Ehrlich gesagt, ich habe des Öfteren die Erfahrung gemacht, nicht alles zu bekommen, was ich gerne wollte. Und die damit verknüpften Erwartungen haben mich immer wieder unglücklich gemacht. Also habe ich gelernt, immer das zu mögen, was ich bekomme. Die Dinge zu akzeptieren und weniger von ihnen zu erwarten ist das, was mich glücklich macht. Wie sagte es Maurice Barres noch so schön? „Das Glück ist im Grunde nichts anderes als der mutige Wille zu leben, indem man die Bedingungen des Lebens annimmt.“ Vermögen, Ansehen, Besitz – das alles können wir jederzeit verlieren. Reichtum aber ist das Glück im Herzen, das Du nicht mit Geld kaufen kannst.