Regen & Sturm

Sturm ist kein Homonym.

Unentwegt fegt der erste Sturm des Jahres über die Dächer, Straßen und die Spitzen Bäume. Hin und wieder regnet es. Dieser Zustand ist nicht weiter tragisch. Nur ungemütlich. Draußen jedenfalls. Ich hingegen sitze an meinem Schreibtisch, schreibe Texte, suche Fotos raus und denke über diverse Angebote nach. Auch die Arbeit für meine Kundinnen und Kunden hat längst wieder begonnen. Nur habe ich in den letzten Jahren wenig darüber gesprochen, was ich „eigentlich“ so tue.      

Ich entschloss mich seinerzeit für den Weg in die Selbstständigkeit. Von der Sicherheit ins Chaos. Alles, was ich damals für dieses Schritt besaß, war lediglich eine digitale Spiegelreflexkamera, die keine 500 Euro gekostet und ein Notebook, welches seine besten Zeiten längst hinter sich hatte. Darüber hinaus hatte ich eine Vorstellung davon, wie alles werden sollte und musste mir schon ziemlich schnell klar machen, dass Vorstellungen und Realitäten oftmals auseinander gehen können. Ich hatte einen doch eher holprigen Start in das neue Berufsleben.

Die Tatsache, dass Vorstellung und Realität in meinem Fall zweitweise auseinander gingen wie Hefeteig, brachte mich so manches Mal ins Wanken. Hätte ich die damals nicht die 6-monatige Hilfe für Existenzgründer der Arbeitsagentur und die kompetente Unterstützung meines alten Arbeitgebers gehabt, wäre ich sicherlich gestürzt, ohne wieder aufzustehen.

Die Tatsache, dass Vorstellung und Realität in meinem Fall zweitweise auseinander gingen wie Hefeteig, brachte mich so manches Mal ins Wanken. Hätte ich die damals nicht die 6-monatige Hilfe für Existenzgründer der Arbeitsagentur und die kompetente Unterstützung meines alten Arbeitgebers gehabt, wäre ich sicherlich gestürzt, ohne wieder aufzustehen. In meiner Anfangszeit und in einigen Folgejahren habe ich immer wieder Dinge ausprobiert, verworfen, neu gestaltet, abgebrochen und alles wieder aufgebaut. Einen roten Faden? Ich glaube, den gab es nie. 

Heute.

Heute sitze ich in meinem Büro, schaue auf den stürmischen Tag und denke darüber nach, dass ich in den letzten Jahren oftmals Fehler begangen habe. Berufliche Fehler, von denen ich, wenn ich ehrlich bin, die wenigsten bereue. Doch es gibt einen Fehler, den ich wieder und wieder gemacht habe. Einen Fehler, den ich oftmals nicht als Fehler erkannt habe und dementsprechend nichts aus ihm gelernt habe. Es ist der Fehler, von massiven Selbstzweifeln bezüglich der eigenen beruflichen Leistung.Verrückt, wenn ich bedenke, dass ich diese ganzen Sache bereits seit zehn Jahren selbst und ständig mache. Dennoch habe ich mich in den vergangenen Jahren immer wieder schwer getan, mein eigenes Portfolio öffentlich aufzubauen.

Es ist nicht so, als hätte ich nie damit begonnen. Anfänge gab es viele. Verschiedene Namen, diverse Webseiten, Ansätze die oftmals nichts anderes als Kopien waren. Doch in den letzten Tagen habe ich mehr und mehr den Entschluss gefasst ein eigenständiges Portfolio aufzubauen, in dem ich das präsentiere, was ich wirklich gerne machen möchte. Allerdings möchte ich das nicht an dieser Stelle tun, denn diese Seite soll weiterhin der Platz für meine persönlichen Gedanken, Fotos, Videos und Texte bleiben, die nichts mit meinem beruflichen Leben zu tun haben, sollen.

Darüber hinaus möchte ich kein Unternehmen, keine Agentur und keinen Verlag gründen. Ich möchte kein Arbeitgeber sein, sondern weiterhin frei und ungebunden dem nachgehen, was ich gerne tue und damit andere in ihrer Arbeit unterstützen. Ich möchte einen virtuellen Ort erschaffen, an dem sich Freiberuflerinnen und Freiberufler, Unternehmen, Agenturen, Marken und selbstständig arbeitende Menschen über meine Arbeit informieren und erfahren können, wie sie sich eine Zusammenarbeit mit mir vorstellen können. Bereits im letzten Jahr habe ich damit begonnen, diesen Ort aufzubauen. Doch zum Ende des Jahres habe ich festgestellt, dass er wieder nicht dem entsprach, was ich eigentlich bin, sondern mehr eine Umsetzung dessen war, was ich sein sollte.

Verdammt.

Ganz genau weiß ich es nicht mehr. Aber irgendwann im letzten Jahr ging ich spazieren. Es muss im Frühjahr gewesen sein, da es im Sommer so gut wie nie geregnet hat. Allerdings fiel der Regen an jenem Tag so stark, dass ich mich selbst fast nicht mehr regen konnte. Dieser Umstand ließ mich lachen, weil ich, nass bis auf die Socken festgestellt hatte, das „Regen“ und „(sich) regen“ zwei Worte sind, die zwar gleich geschrieben und dennoch komplett unterschiedliche Bedeutungen hatten. Regen ist ein Homonym. Ein Wort, welches für verschiedene Begriffe steht.

Sturm ist kein Homonym. Dennoch ist es ein Wort, welches zum Regen passt. Und aus einem mir bis heute unerklärlichen Grund, fand ich die Kombination aus den Worten Regen und Sturm fortan faszinierend. So kam es also, dass ich die Domain regenundsturm.de registrierte und unter diesem Namen ein kleines Portfolio aufbaute. Dabei orientierte ich mich an Agenturen, Werbefirmen und Unternehmen, die unter anderem professionelle Fotografie anboten. Wieder hatte ich mich dazu verleiten lassen, etwas zu präsentieren, dem ich selbst kaum bis gar nicht entsprach. Das ich diesen einen Fehler wiederholt begangen hatte, merkte ich zum Ende des Jahres. Verdammt.

Doch Fehler sind gut, wenn sie erkannt werden. In den letzten Tagen, den ersten des neuen Jahres, schmiss ich vieles über Board. Ich räumte auf, war weg, löschte alte Dateien. Ich kündigte nicht mehr gebrauchte Verträge und überdachte einiges. Aufräumen ist etwas Gutes. Es macht den Kopf frei. Im Zuge dessen schaute ich mir den Instagram-Account an, den ich für mein berufliches Portfolio angelegt hatte. Ich löschte alles. Daraufhin warf ich einen Blick auf die Webseite und radierte auch dort einiges aus. Im Grunde genommen alles, bis auf die Grundmauern. Die waren in Ordnung.

Und jetzt? Jetzt richte ich diesen Ort wieder nach und nach ein. Nach meinen persönlichen Vorstellungen und Ideen. Ganz losgelöst von den Meinungen, Überzeugungen und Ratschlägen anderer. Ich zeige dort Bilder, Arbeiten und Texte, die meine beruflichen Leistungen spiegeln und von denen ich selbst wirklich, wirklich und wirklich überzeugt bin. Und wenn jemand zukünftig erfahren möchte, was ich unter dem Begriff „Arbeit“ verstehe, der wird genau dort fündig. Diese Person wird erfahren, dass Arbeit für mich kein Ort ist, an dem ich mich aufhalte, sondern eine Tätigkeit, die mich morgens mit einem Lachen aufstehen lässt. Und ich bin froh, dass es diesen Platz, der kein Ort ist, wirklich geben wird. Endlich. 

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