Gedanken

Mein Name ist…

Ich wurde an einem Samstag geboren. Im Frühjahr. Gegen Abend. Ehrlich gesagt, es muss schon später gewesen sein, denn kurz vor meiner Geburt hat Heidi Kabel sich das letzte Mal vor dem Publikum verbeugt, als die Vorhänge des Ohnsorg-Theaters sich an diesem Abend geschlossen haben. Meine Mutter selbst war nicht vor Ort. Aber sie hat sich die Vorstellung im dritten Programm angesehen. Das hat sie mir des Öfteren erzählt. 

Ich kann mich daran nicht erinnern. Wäre auch seltsam, wenn dem so wäre. Egal. Kurz nach meiner Geburt wurde meinen Eltern die Frage gestellt, mit welchem Namen ich zukünftig durch diese Welt laufen solle. Beide waren sich einig, dass es der Name Torsten sein solle. Torsten. Ohne H. Und so kam es, dass mich seit diesem Tag dieser Name begleiten sollte.

Moin. Mein Name ist Torsten Luttmann

Torsten Luttmann

Ich mag meinen Namen. Ich mochte ihn immer. Doch irgendwie hat es nie wirklich geklappt, dass ich ihn benutzte. Irgendwie war ich immer der Meinung, dass ich für meine selbständigen Unternehmungen besondere Namen brauchte, die mir (vielleicht) auf der ein oder anderen Seite ein Alleinstellungsmerkmal zusicherten. Irgendwie bin ich nie wirklich darauf gekommen, dass mein Name – der mir von meinen Eltern zur Geburt geschenkt wurde – mir genau das bieten könne. 

Also wählte ich Namen, die irgendwie besonders waren. Und dann wechselte ich sie. Immer wieder. Immer dann, wenn ich das Gefühl hatte, sie würden mich in irgendeiner Art und Weise eingrenzen. Mal waren sie zu phantasievoll. Mal zu regional. Manchmal fand ich sie an einiger Zeit einfach nur bescheuert. Doch dieses Jahr, in dem Jahr, in dem alles irgendwie anders ist, habe ich gemerkt, dass es nur einen einzigen Namen gibt, der mir nie seltsam vorkam, der mich nie eingeschränkt hat und den ich an keinem einzigen, der über 14.000 Tage meines Lebens dumm fand: Meinen eigenen.    

2020. Dieses Jahr war seltsam. Auf der einen Seite war es bislang großartig, auf der anderen die totale Katastrophe. Aber wem erzähle ich das? Wir alle haben gespürt, dass dieses Jahr anders ist. Anders, als all die Jahre zuvor. Vieles hat sich geändert und sollte ich eine Prognose abgeben, würde ich behaupten, dass einiges nie mehr so wird, wie es einmal war. Und zwischen an den Veränderungen, Absagen, Regeln und Vorschriften gab es – jedenfalls für mich – jede Menge Zeit. Zeit, in der ich ganz in Ruhe und ohne Stress darüber nachdenken konnte, wohin meine Reise eigentlich gehen wird. Gehen soll… 

Noch 28 Jahre…

Wenn ich nächstes Jahr mein vierzigstes Lebensjahr erreiche, dann liegen noch 28 Berufsjahre vor mir. Wenn alles gut läuft. Vielleicht werden es mehr. Was schön wäre. Worüber ich mich freuen würde. Aber gehen wir davon aus, dass es 28 Jahre sein werden. Ich habe mich gefragt, wie diese Jahre aussehen werden. Oder anders: Wie diese Jahre aussehen sollen.

Für mich war klar das ich gerne weiterhin fotografieren möchte. Das ich schreiben will. Es war klar, dass ich keine Rolle spielen, mich nicht einengen oder auf etwas begrenzen möchte. Und so habe ich beschlossen, dass ich zukünftig nur noch unter meinem Namen arbeiten werde. Unter dem Namen, den mir meine Eltern geschenkt haben. Mir wurde klar, dass meine Arbeit mit dem Namen verbunden sein soll, den meine Mutter mir am ersten Tag meines Lebens leise ins Ohr geflüstert hat. Torsten Luttmann.

In den letzten Tagen habe ich darüber nachgedacht, ob es mir unangenehm sein muss, diesen Schritt zu tun. Ich habe mich gefragt, ob es peinlich ist, in Anbetracht der Tatsache, dass ich schon so oft meinen „Firmennamen“ geändert habe. Und dann dachte ich an eines der letzten Gespräche, die ich mit meiner Mutter geführt habe. Wir saßen gemeinsam am Küchentisch. Sie hatte Tee gekocht und Plätzchen auf den Tisch gestellt. Wie immer fragte sich mich, wie es mir geht und was ich so mache. Und ich erzählte es ihr. Und irgendwann sagte sie, in einem Nebensatz: „Ich finde deinen echten Namen immer noch am schönsten.“   

Wenn ich also darüber nachdenke, ob es mir unangenehm oder peinlich sein sollte, dann denke ich daran, dass es ihr sicherlich so am besten gefallen würde. Genau, wie es mir nun am besten gefällt. Moin. Mein Name ist Torsten Luttmann.