Texte, Fotografie, Gedanken

Zweitausendzwanzig

Am 2. Januar 2020 habe ich mich gefragt, wie es wäre, wenn 2020 einfach großartig wird. Ich habe mich gefragt, wie es wäre, wenn dieses mein einziger Vorsatz für das kommende Jahre sein würde. Und ich fand die Idee großartig. Also setzte ich mir den Vorsatz, dass das vor mir liegende Jahr großartig wird. Ich ahnte ja nicht, was alles passieren und auf mich zukommen würde. 

Dieser Abend trägt einen Hauch von Untergang auf seinen Schultern. Zu der Dunkelheit, die sich über den Ort gelegt hat, gesellt sich der Klang des Windes, der irgendwie bedrohlich in den Baumkronen wirkt. Draußen duftet es nach Regen. Aber er fällt nicht. An diesen Tagen, ist es vor dem Kamin besonders gemütlich. Auf dem gemauerten Sims stehen Kerzen, deren Glanz die alten Backsteine in ein besonderes Licht tauchen. Oktober. 2020. So langsam neigt sich dieses Jahr dem Ende entgegen.   

Während die Flammen im Kamin lodern und das Knistern des brennenden Holzes die Stille durchbricht, fliegen meine Gedanken in Richtung Vergangenheit. Der starke Wind vor den Fenstern erfährt durch mich kaum Beachtung. Selbst die Tatsache, dass er in einem Augenblick kleine Äste an die Scheiben wirft, interessiert mich nicht weiter. Meine Augenmerk liegt in dem, was hinter mir – hinter uns liegt. Und ich denke darüber nach, dass sich immer alles verändert und nichts so bleibt, wie es einmal war. 2020 zeigt sich das, für mich, besonders deutlich.

2020

Mein Vorsatz für 2020

Veränderungen haben mich nur selten gestört. Manchmal taten sie weh. Doch meistens stand ich ihnen positiv gegenüber. Meistens habe ich sie begrüßt. Einfach, weil viele Veränderungen etwas positives mit sich bringen, wenn ich bereit bin, meinen Blickwinkel zu verändern und damit auch mich selbst. 

Am Anfang des Jahres hatte ich mir einen Vorsatz gefasst. Ich hatte beschlossen, dass 2020 großartig wird. Ich hatte mir vorgenommen, mir selbst eine Einstellung zu kreieren, die mir sagt, dass das Leben immer für mich und niemals gegen mich passiert. Ein Vorsatz, der auch dann gelten sollte, wenn die Dinge im Leben manchmal wenig Sinn ergeben. Ja, ich hatte mir vorgenommen, die Krisen, Um- und Widerstände einfach anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Allerdings wusste ich da noch nicht, was in diesem Jahr auf mich zukommen würde.  

Wie bereits erwähnt. Wir haben Oktober. 2020. Und in diesem Jahr ist wirklich eine Menge auf mich zugekommen. Krisen. Um- und Widerstände. In fast jedem Monat. An fast jedem Tag. Manchmal habe ich mich gefragt, wie ich meinem Vorsatz treu bleiben soll und an manchen Tagen dachte ich einfach nur, dass ich mich in all den Jahren davor auch nie an meine Vorsätze gehalten habe. Aber in diesem Jahr, in den Wochen und Monaten und an ganz vielen einzelnen Tagen, war mir dieser Vorsatz wichtig und ich glaube, dass er mir immer wieder Kraft und Zuversicht gegeben hat. 

Die Lüneburger Heide im Jahr 2020

2020. Fotograf und Autor.

Bereits im letzten Jahr hatte ich angekündigt, dass 2020 mein letztes Jahr als Hochzeitsfotograf werden würde. Es sollte das Jahr mit den meisten Buchungen in meiner Laufbahn als Hochzeitsfotograf werden. Aber es kam anders. Eine Hochzeit nach der anderen wurde abgesagt. Und mit jeder Absage folgte ein dicker Strich in meinem Kalender. An der Entscheidung, dass dieses Jahr das letzte Jahr für mich als Hochzeitsfotograf sein soll, halte ich aber dennoch fest. Es wird für mich einfach Zeit, dieses Kapitel zu beenden und ein neues aufzuschlagen. 

Manche Stimmen sprachen aus, dass ich generell nicht mehr fotografieren würde. Sie verkündeten, dass ich die Fotografie komplett an den Nagel hängen würde. Doch diese Stimmen lagen jedes Mal falsch und die Worte, die gesprochen wurden, entsprachen an keinem einzigen Tag der Wahrheit. Ich bin und bleibe Fotograf. Denn die Fotografie ist meine Leidenschaft, mein Anker und meine Hoffnung. Sie ist mein Fels in der Brandung. Sie ist mein Leuchtturm, der mir auch in der dunkelsten Nacht das Licht zeigt. 

2020 hatte bislang viele Schattenseiten. Aber Schatten kann nur entstehen, wenn es Licht gibt. Und das Licht ermöglicht uns die Dinge zu erkennen, die wir in den dunklen Stunden nur erahnen können. Dieses Jahr hat mir vielleicht Aufträge genommen, im Gegenzug hat es mir aber Zeit geschenkt. Zeit, die ich benötigt habe um zu sehen, wohin ich gehen möchte.

Zeit, die es mir ermöglicht hat, zu erkennen, wer ich bin und wohin ich eigentlich gehöre. Ich habe erkannt, dass es nicht die großen Feiern sind, die rauschenden Feste, die mich begeistern. Dieses Jahr hat mir gezeigt, dass es die Stille ist, die mich abholt. Es hat mir gezeigt, dass es die Einsamkeit ist, die mich inspiriert. Alleine auf weiter Flur finde ich Inspiration und Gelassenheit. Hier sehe ich das, was wirklich schön ist.   

Nun ja, was ich eigentlich sagen wollte. 2020. Ein seltsames Jahr. Ein Jahr voller Krisen, Um- und Widerstände. Ein Jahr, in dem vieles nicht so lief wie geplant und noch weniger als erwartet. Und doch, trotzdem war es bislang für mich ein großartiges Jahr. Einfach, weil ich erkannt habe, was ich wirklich, wirklich möchte. Fotografieren, schreiben und hin und wieder einen Film drehen.