13. Dezember 2022

Ein schöner Ort. Morgens. Wenn man alleine ist.

Als ich an diesem Morgen erwachte und das Fenster öffnete, sah ich es gleich im seichten Licht des Mondes: Der Nebel hatte sich über die Dächer des Dorfes gelegt. Gleichzeitig hatte der Frost seine dünnen, knochigen Finger ausgestreckt und alles mit seiner eisigen Kälte überzogen. Sofort wurde mir klar, dieser Tag könnte zu einem großartigen Tag werden. Ich duschte, zog mich an, trank einen Kaffee, aß eine Kleinigkeit und las dabei die Zeitung. Bis zum Sonnenaufgang war noch genügend Zeit. 

Vor einigen Tagen hatte ich ein kleines Meeting mit einer größeren Versicherung. In diesem ging es darum, die Landschaft des Ammerlandes in seinen verschiedenen Jahreszeiten fotografisch festzuhalten. Frühling. Sommer. Herbst. Und natürlich den Winter. Wobei es allen Beteiligten von Anfang an klar war, dass der Winter sicherlich die größte Herausforderung sei. Schnee ist in dieser Region zur Mangelware geworden und die Tage, in denen sich alles in strahlendem Weiß kleidet, sind rar geworden. Früher war das anders. Jedenfalls in meiner Erinnerung. Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich, als ich ein Kind war, in fast jedem Winter meine Schlittschuhe einpacken und zu einer gefrorenen Wasserstelle fahren konnte. Heute habe ich keine Schlittschuhe mehr. 

Der Fokus dieser Fotoaufnahmen, so die Versicherung, soll am Bad Zwischenahner Meer liegen. Vollkommen verständlich, immerhin wird das Bad Zwischenahner Meer oft als Perle des Ammerlandes bezeichnet. Dieses „Meer“, welches eingebettet in einer wunderschönen Naturlandschaft liegt, ist der drittgrößte Binnensee Niedersachsens. Dementsprechend ist es nicht nur ein beliebtes Reiseziel für die Gäste der Region, sondern eben auch darüber hinaus. Das Bad Zwischenahner Meer ist das Aushängeschild des Ammerlandes und bietet ein enormes Wiedererkennungsmerkmal. 

Sonnenaufgang & Nebel

Um kurz nach 8 stiefelte ich aus dem Haus. Zwei Pullover und eine dünne Jacke. Dazu warme Schuhe und eine Wollmütze. Meine Handschuhe hatte ich vergessen, was mir allerdings erst unterwegs auffiel. Am Bad Zwischenahner Meer waren Arbeiter damit beschäftigt Absperrungen aufzubauen. Sie sperrten ein Stück des Strandes, welcher direkt am Strand Café liegt mit hohen Zäunen ab. An dieser Stelle soll in der nächsten Zeit ein neuer Janosch-Spielplatz entstehen. Wie der später einmal aussehen wird? Keine Ahnung.

In kurzer Absprache mit den beiden Handwerkern schlich ich kurz noch zum Steg, um ein oder zwei Aufnahmen zu machen. Kurze Zeit später war der Bereich vollkommen dicht. Sei es drum, die Bilder hatte ich im Kasten. Ich flanierte, nahezu allein, am Bad Zwischenahner Meer entlang, schaute mich nach möglichen Motiven um und hielt alles, was in etwa in Frage kommen könnte, fest. 

Nach gut zwei Stunden in eisiger Kälte kehrte ich zum Auto zurück. Ich legte meine Tasche in den Kofferraum, nahm die Kamera mit auf den Fahrersitz und scrollte im Eiltempo noch einmal durch die zahlreichen Fotos. Tatsächlich waren einige Schmuckstücke dabei. Bad Zwischenahn ist schon ein schöner Ort. Morgens. Wenn man alleine ist.